Das Akropolismuseum in Athen: Ein Reisebericht
Wenn man alleine reist, ist es ein oder zwei Tage lang schön, nachzudenken und einfach mal abzuschalten, aber auf Dauer wird das ständige Alleinsein beim Sightseeing langweilig. Der Kern des Alleinreisens besteht eigentlich darin, sich bei Ruinen oder tollen Landschaften in historische Ereignisse oder Personen hineinzuversetzen oder sich in ganz anderen Gedankengängen zu verlieren, aber seit ich in Athen bin, klappt das überhaupt nicht. Vor meiner Reise nach Russland wusste ich, was mich erwartet, und hatte viele Bücher und Blogs gelesen. Deshalb war es dort selbst in den Kirchen spannend. In Athen habe ich hingegen das Gefühl, mir einfach nur Steine anzusehen.
Deshalb habe ich beschlossen, in der bekannten Online-Community "Yurang" (einem koreanischen Reiseforum) nach Reisebegleitungen zu suchen. Heute werde ich mich mit ihnen treffen, wir werden zusammen zu Abend essen und ich kann endlich wieder ausgiebig auf Koreanisch plaudern. Die Zeit davor werde ich komplett im Akropolismuseum verbringen, wo ich neulich umkehren musste, weil ab 15 Uhr kein Einlass mehr war.
Das Akropolismuseum, das sich ein Stück hinter dem Ticketschalter der Akropolis befindet, ist der Ort, auf den ich mich in Athen am meisten freue. Bei den meisten Fundstücken an den Ruinen der Akropolis stehen draußen nur Nachbildungen mit dem Hinweis "Nach Großbritannien gebracht" oder "Wird im Akropolismuseum aufbewahrt". Es gibt also einen Grund, warum die Ruinen draußen so leer wirken.
Ich zahle die 5 Euro Eintritt und gehe hinein. Wie der Name "Neues Akropolismuseum" schon sagt, ist es ein neu erbautes, modernes Museum, und ich war ein wenig überrascht, dass der Preis nur 5 Euro beträgt. Noch mehr überrascht hat mich die strenge Sicherheitskontrolle am Eingang, bei der der ganze Körper gescannt wird. Da wird einem erst richtig bewusst, wie wichtig die Dinge im Inneren sein müssen.



Voller Vorfreude mache ich nach dem Eintritt Fotos von den Ausstellungsstücken, bis ein Mitarbeiter kommt und mich sehr höflich darauf hinweist, dass das Fotografieren nicht erlaubt ist. In Russland konnte ich völlig ungeniert fotografieren, daher kam ich gar nicht auf die Idee, dass es hier verboten sein könnte. Auf Nachfrage erfahre ich, dass das Fotografieren je nach Ausstellungsbereich eingeschränkt ist. Meistens sind genau die Dinge, die so schön oder faszinierend sind, dass man sie unbedingt fotografieren möchte, vom Fotoverbot betroffen. Zum Glück sind die Karyatiden (Mädchenfiguren) aber erlaubt.






Die meisten Artefakte im Akropolismuseum sind, wie oben zu sehen, nur in Teilen erhalten. Diese Überreste werden restauriert und nach und nach vervollständigt, aber dieser Prozess und die Ergebnisse dürfen nicht fotografiert werden. Es ist fast schade, das nur in Worten beschreiben zu können, denn die Qualität der vervollständigten Werke war überraschend hoch. Besonders beeindruckend waren die Werke, bei denen die fertigen Rekonstruktionen sogar farbig bemalt waren. Wenn man das sieht, blitzt plötzlich die Pracht der Akropolis von vor 2000 Jahren vor dem inneren Auge auf, als diese Skulpturen noch in ihrer vollen Pracht erstrahlten. Genau für solche Momente geht man ins Museum.















Die Karyatiden des Erechtheion sind so wichtig, weil der Erechtheion-Tempel der heiligste Ort ist. In der Mythologie war es Athene, die den in Griechenland weit verbreiteten Olivenbaum brachte, und der Erechtheion-Tempel soll genau dort errichtet worden sein, wo Athene den ersten Olivenbaum pflanzte.
- Olivenbäume sind extrem wichtig
- Athene, die den Olivenbaum gab, ist wichtig
- Für Athene wurde ein Tempel an dem Ort gebaut, wo der Olivenbaum gepflanzt wurde. Daher ist dieser Tempel wichtig
- Die 6 Mädchenfiguren, die diesen Tempel stützen, sind wichtig
Wenn man so darüber nachdenkt, kann man ungefähr erahnen, warum die Mädchenfiguren so wichtig sind. Vier der Statuen im Museum waren in gutem Zustand, eine war so stark beschädigt, dass sie kaum noch zu erkennen war. Und eine weitere soll sich im British Museum befinden.
Die Akropolis hat unglaublich viele Geschichten zu bieten, aber die traurigsten sind wohl die, als die Türken Schießpulver im Parthenon lagerten und dieser in die Luft flog, sowie die Geschichte von Elgin, der die Artefakte nach Großbritannien abtransportierte. Kurz zusammenfasst: Lord Elgin (aus britischer Sicht wohl ein "Sir") holte sich die Erlaubnis vom Sultan des Osmanischen Reiches und brachte alles ins British Museum. Für uns Koreaner wäre das so, als hätte sich ein Amerikaner die Erlaubnis vom japanischen Kaiser geholt, um unsere Kulturgüter mitzunehmen. Ich kann absolut nachvollziehen, warum überall geschrieben steht, dass die Briten es mitgenommen haben.


Ich bin extra früh losgegangen, um mir viel Zeit zu lassen, aber wenn man nur grob drüberschaut, ist man schnell durch. Da die Orte, an denen man fotografieren darf, ohnehin fast festgelegt sind, kann man sich alles in 2 bis 3 Stunden ansehen. Die beste Zeit für einen Besuch ist wohl nach dem Mittagessen, um den Museumsrundgang mit einem kleinen Verdauungsspaziergang zu verbinden. Ich erwähne es noch einmal: Ab 15 Uhr ist kein Einlass mehr. Für Koreaner, die es gewohnt sind, dass alles bis Sonnenuntergang geöffnet hat, mag diese Öffnungszeit unverständlich sein, also behaltet das unbedingt im Hinterkopf. Aber das Wichtigste ist: Ich empfehle dringend, sich vorher ein wenig in die griechische Geschichte einzulesen, damit es spannender wird. Wenn man wie ich einfach so hingeht, wirken die Ausstellungsstücke nur wie ein paar faszinierende Steine.
Ausgaben
- Akropolismuseum €5
- Abendessen €15
- Wasser €1
Gesamtausgaben €21.0
Reise-Gesamtausgaben 525,936 KRW + 47,999 RUB + $639.96 + €568.07