Kokosnuss-Bootstour im Bay Mau Wald, Hoi An
Leider habe ich alle Videos von diesem Tag verloren, also gibt es hier keine Videos... Der Trot (koreanische Popmusik) war so mitreißend ㅠ
In der brütenden Mittagshitze war ich völlig erschöpft, also musste ich zwangsläufig ins Hotel zurückkehren, mich duschen und eine Stunde ausruhen. Ich war (für meine Verhältnisse) früh aufgestanden, hatte gegessen, war durch die Altstadt spaziert, hatte wieder gegessen, Kaffee getrunken und war noch mehr gelaufen. Nachdem ich die äußeren und inneren Wege abgelaufen war, leuchtete die rote Lampe meines Körperakkus so stark, dass mir keine andere Wahl blieb. Der Grund, warum ich mir extra Zeit nahm, um Schlaf nachzuholen, war der nächste Programmpunkt: die Fahrt mit den berühmten Kokosnuss-Booten (Korbbooten), einer Attraktion von Hoi An, die in jeder TV-Reiseshow über Da Nang und Hoi An zu sehen ist. Ich weiß nicht, ob es diese Boote auch in anderen Regionen gibt, aber wenn man bei Google 'coconut boat' eingibt, wird automatisch 'hoi an' angehängt – so berühmt sind sie hier. Allein von dem, was ich im Fernsehen gesehen hatte, wusste ich: Das ist eine völlig verrückte Tour, bei der man erst ruhig den Fluss genießt und dann plötzlich mitten auf dem Wasser ein Konzert mit lauter Musik erlebt.
Nachdem ich wieder zu mir gekommen war, machten wir uns auf den Weg, als die Sonne gerade anfing unterzugehen. Da dies einer der Höhepunkte des Tages war, auf den ich mich am meisten gefreut hatte, wählte ich extra die Zeit des Sonnenuntergangs, um gute Fotos zu machen. Man muss jedoch beachten, dass die Sonne in Vietnam zu dieser Jahreszeit – vielleicht wegen des nahenden Winters – sehr schnell untergeht. Schon um halb sechs wird es draußen dunkel, die Sonne verschwindet rasant. Man darf also nicht denken, es sei Sommer, nur weil es heiß ist.
Wir riefen ein Grab (Fahrdienst-App) und fuhren zu einem Ort, der als "Hoa DUa Xanh 코코넛배 싼 곳" (Hoa Dua Xanh billige Kokosnuss-Boote) markiert war. Der koreanische Zusatz "billige Kokosnuss-Boote" steht dort tatsächlich. Sogar auf Google Maps wird es genauso angezeigt. Während ich noch darüber nachdachte, ob der Besitzer den Namen vielleicht so gewählt hat, um mehr koreanische Touristen anzulocken, waren wir auch schon da. Es ist ein ganzes Stück entfernt, die Fahrt dauert etwa 15 Minuten und kostet 100.000 VND, was ungefähr 5.000 KRW entspricht. Die Tour dauert eine Stunde und ein Boot zu mieten kostet 400.000 VND. Das sind etwa 10.000 KRW pro Person, aber es scheint, als würden die Preise stetig steigen. Wenn man ein bisschen mehr googelt und sich umschaut, findet man vielleicht günstigere Angebote, aber ich schätze, die Ersparnis läge bei höchstens 1.000 bis 2.000 KRW.
Ich holte ehrgeizig meine mitgebrachte GoPro heraus, richtete sie ein und wir stiegen direkt in das Kokosnuss-Boot. Zu unserer Überraschung war die Person, die uns eine Stunde lang rudern sollte, eine alte Dame!!
"Hey, können wir da wirklich einsteigen?"
"Warum fühle ich mich bei einer gebuchten Tour so unwohl?"
Während wir nicht wussten, was wir tun sollten, fuhr sie ohne ein Wort des Aufbruchs direkt in die Mitte des Flusses.




Gerade als ich dachte, wir würden langsam den Fluss hinuntergleiten, drückte sie meinem Freund einfach das zweite Ruder in die Hand. Mein Freund ist ein echter Elite-Handwerker und hat extrem ausgeprägte Arbeitsmuskeln, also hat sie genau den Richtigen gefunden, der sich über so eine Aufgabe freut. Ich persönlich mag solche ausdauernden, anstrengenden Arbeiten überhaupt nicht, bin auch nicht gut darin und mache sie deshalb einfach 'nicht'. Aber dieser Kerl, dessen Geisteszustand und Muskeln völlig anders sind als meine, bekam ein breites Grinsen im Gesicht und startete sein eigenes kleines Rennen. Wenn ich mir die anderen Boote so ansah, schien es üblich zu sein, die Gäste mal probieren zu lassen: Bei jüngeren Paaren ruderten oft die Frauen, bei älteren die Männer. Aber fernab von solcher Romantik schoss unser Boot schneller voran als jedes andere – dank meines muskelverrückten Freundes, der "So schnell wie möglich!!!!!!" rief, und unserer Bootsführerin, die das lustig fand und lachend den Takt vorgab.




Nachdem man den großen Fluss und eine Art Gasse aus palmenähnlichen Bäumen passiert hat, taucht plötzlich ein Karaoke auf. Ihr habt richtig gelesen. Ein Karaoke. Auf einem der Kokosnuss-Boote sind riesige Lautsprecher montiert, aus denen koreanische und vietnamesische Musik dröhnt. Die Leute versammeln sich in kleinen Gruppen auf ihren Booten, während der Gastgeber dieser Party koreanische Trot-Lieder wie 'Bbunigo' oder 'Bbangbbang' (ich wusste bis dahin gar nicht, dass es solche Lieder gibt) auflegt, auf Koreanisch singt und dazu tanzt. Er muss das schon so oft gesungen haben, dass seine koreanische Aussprache fast besser klingt als meine. Die ruhige und fast schon etwas langweilige Bootsfahrt verwandelt sich plötzlich in einen lauten Nachtclub, was viele erst einmal verwirrt. Manche Leute (wie ich) sind total begeistert und wippen im Takt mit, während andere enttäuscht dreinschauen und einfach nur schnell weiterwollen. Meiner Meinung nach ist dieses Boots-Karaoke das absolute Highlight der Tour. Wer so eine Atmosphäre nicht mag, sollte die Tour vielleicht lieber auslassen. Für alle anderen lohnt es sich vielleicht, 'Bbunigo' und 'Bbangbbang' vorher schon mal zu üben...



Auf dem Rückweg schneiden sie Palmblätter ab und basteln daraus Kronen als Souvenir. Je nach Person machen sie wohl Kronen oder Ringe. Wenn man das aufsetzt und durch die Straßen von Hoi An läuft, wird man von allen angestarrt. Ein absolutes Must-have für Trendsetter. Da sie aus frischen Blättern gemacht sind, verwelken sie schnell, also sollte man sie so lange wie möglich tragen. Aber das gilt natürlich nur für uns, die wir alles aus unseren Geschenken herausholen wollen.



Die Stunde verging wie im Flug, und die mitreißende Musik hatte unsere Stimmung auf den Höhepunkt gebracht. Mit dieser Energie wollten wir eigentlich direkt den Nachtmarkt erkunden, aber unser Grab kam nicht. Da der Ort etwas außerhalb des Stadtzentrums von Hoi An liegt, gibt es hier kaum Autos. Wenn man sich hier vor Ort einen Wagen für die Rückfahrt mietet, zahlt man etwa das Doppelte des Grab-Preises. Der Unterschied ist zwar nicht riesig, aber wir dachten uns, wir trinken noch etwas und ruhen uns aus. Also warteten wir, ließen uns von Mücken zerstechen und bekamen nach 20 Minuten endlich ein Auto für die Rückfahrt.
Was man bei der Kokosnuss-Bootstour beachten oder vorbereiten sollte: Man muss die Rückfahrt einplanen und Mückenspray auftragen, denn auf dem Fluss gibt es zwar keine Mücken, aber am Warteplatz wimmelt es davon. Und wenn man ehrgeizig ist: Vielleicht die koreanischen Lieder 'Bbunigo' und 'Bbangbbang' von Park Sang-chul auswendig lernen?