Mein Jahr auf Jeju: Tipps & Erfahrungen
Von November 2020 bis November 2021 habe ich auf der Insel Jeju gelebt. Anfangs war ich fast durchgehend dort, da ich im Homeoffice gearbeitet habe. Als ich dann im August den Job wechselte, habe ich mein Zimmer an Freunde vermietet – streng genommen war es also kein volles Jahr. Dennoch möchte ich meine Eindrücke und ein paar Tipps teilen, jetzt wo ich alles Revue passieren lasse.
Ein Auto auf Jeju ist ein Muss
Wer schon einmal auf Jeju war, weiß: Ohne Auto ist das Leben hier ziemlich beschwerlich. Wenn man nur tagelang in dem Viertel bleiben will, in dem man sein Zimmer gemietet hat, geht es auch ohne. Aber um zum Supermarkt zu fahren oder ab und zu Ausflugsziele zu besuchen, braucht man zwingend ein Auto.
Manche Leute überlegen, sich auf Jeju ein Auto zu mieten, aber ich persönlich empfehle, das eigene Auto aus Seoul mitzubringen. Wer sein Auto extrem pflegt, sollte es wegen der salzigen Meeresbrise vielleicht lieber lassen, aber so jemand würde vermutlich ohnehin kein ganzes Jahr hier verbringen. Wenn man das Auto mitbringt, muss man es häufig in der Waschstraße waschen. Egal ob Autos oder elektronische Geräte – auf Jeju altert alles im Zeitraffer.
Wenn man sich entscheidet, das Auto mitzunehmen, sollte man es so voll wie möglich mit Kleidung und Gepäck packen und per Fahrzeugtransport (Fähre) vorausschicken. Man selbst fliegt einfach hinterher und kann das Auto direkt nach der Landung in Empfang nehmen. Die Transportfirmen planen die Termine so, dass die Kunden direkt nach der Ankunft losfahren können – man muss sich also keine Sorgen machen und kann den Transport beruhigt in Auftrag geben. Die Kosten liegen (Stand 2023) bei etwa 300.000 KRW für eine einfache Strecke.

Parken am Halla-Stadion
Manchmal muss man von Jeju aus kurz nach Seoul fliegen. Mit dem Auto zum Flughafen zu fahren, ist wegen der horrenden Parkgebühren kaum machbar. In solchen Fällen parke ich auf dem Parkplatz des Halla-Stadions in Jeju-Stadt und fahre von dort mit dem Taxi oder Bus zum Flughafen. Da das Parken dort kostenlos ist, gibt es so gut wie nie freie Plätze – man muss also entweder sehr früh morgens oder mit viel Vorlaufzeit anreisen. Der Parkplatz ist aber groß, und wenn man etwas wartet, wird meistens doch noch eine Lücke frei.
Wer schon mal am Stadion war, weiß, dass es manchmal etwas unübersichtlich ist, was noch Parkplatz und was schon Straße ist. Hier muss man aufpassen, denn direkt in der Nähe ist eine Feuerwache. Wer versehentlich in der Feuerwehrzone parkt, riskiert ein Knöllchen und wird abgeschleppt.
Dienstleistungen lieber in Seoul
Da ich auf Jeju lange Zeit ohne vernünftigen Schreibtisch und Stuhl gearbeitet habe, bekam ich körperliche Beschwerden und fing an zu trainieren. Ich habe Personal Training genommen, und der Preis war derselbe wie in Seoul. Allerdings schien mir die Kompetenz des Trainers eher auf dem Niveau eines Anfängers (nach Seoul-Standards) zu sein. Besonders beim Thema Verletzungen hatte ich wenig Vertrauen. Wenn ich Fragen stellte, suchte er die Antworten jedes Mal im Internet, was mich schon fast misstrauisch machte.
Wenn man in angeblich guten Restaurants (meistens Pasta-Läden) essen geht, ist das Essen oft nicht besser als in Seorae Village oder Yeonnam-dong (trendige Viertel in Seoul), kostet aber rund 5.000 KRW mehr. Man fragt sich, ob das an der schönen Aussicht liegt, oder ob die Grundstückspreise hier wirklich höher sind als im ohnehin schon sündhaft teuren Seoul. Abgesehen von rohem Fisch (Sashimi) und Gerichten mit lokalen Meeresfrüchten ist das Essen auf Jeju oft enttäuschender als erwartet.
Wenn es um menschliche Dienstleistungen geht, ist Seoul einfach haushoch überlegen. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist dort ohnehin besser, aber auch die Qualität auf Jeju fällt im Vergleich ab. Ich empfehle daher, solche Programme während des Jahres auf Jeju auf ein Minimum zu reduzieren.

Wohnen: Jeju-Stadt und Seogwipo meiden
Wer für einen Monat oder ein ganzes Jahr nach Jeju kommt, tut das meist, um im Homeoffice zu arbeiten oder sich Urlaub zu nehmen und die Ruhe zu genießen. Wenn man sich aber eine Wohnung direkt in Jeju-Stadt oder Seogwipo-Stadt sucht, wird man diese Ruhe kaum finden. Das ist in etwa so, als würde man nach Südostasien reisen und dort nur von einem Einkaufszentrum zum nächsten ziehen.
Die Preise in Jeju-Stadt und Seogwipo sind zwar etwas günstiger, aber die Zimmer sind kleiner und man hat höchstens einen Blick auf den Berg Hallasan. Wenn man schon auf Jeju ist, sollte man das Meer vor der Tür und den Hallasan im Rücken haben. Oder man zieht gleich tief in die Berge, wo es so ruhig ist, dass man fast schon Einsamkeit spürt.
Wer alleine kommt, sollte nach einem Einzimmer-Apartment (Studio) oder einer sogenannten 1,5-Zimmer-Wohnung suchen. Wenn man etwas für unter 500.000 KRW findet, hat man einen guten Deal gemacht. Wer mit der Familie anreist, sollte am besten ein ganzes Haus mieten. Da Kinder dabei sind, ist ein Ort ideal, an dem sie jederzeit rausrennen und spielen können. Besonders die Nähe zum Strand ist empfehlenswert. Um es mit den Worten der Tochter eines Freundes zu sagen: Es ist einfach toll, jeden Tag im Meer schwimmen und spielen zu können.
Die sogenannte "Yeonse" (Jahresmiete), die es so nur auf Jeju gibt, ist besonders für Leute interessant, die ein ganzes Jahr bleiben. Bei der Yeonse zahlt man in der Regel für 11 Monate und bekommt den 12. Monat quasi als Bonus obendrauf. Wer Geld sparen möchte, sollte also einen Yeonse-Vertrag abschließen. Der Nachteil ist allerdings, dass man dann an einen Ort gebunden ist und nicht verschiedene Ecken von Jeju ausprobieren kann. Man sollte sich vorher gut überlegen, wie man sein Leben auf Jeju gestalten möchte, um spätere Reue zu vermeiden.

Der Winter auf Jeju ist nicht ohne
Da Jeju im Süden liegt, denken viele, der Winter sei dort warm und angenehm. Das stimmt nur zur Hälfte. Es ist wärmer und lässt sich besser aushalten als in Seoul. Aber der Wind weht oft so stark, dass man trotzdem nicht vor die Tür gehen kann. Wer wirklich spüren will, wie einem die Natur ins Gesicht schlägt, sollte im Winter nach draußen gehen. Egal wie sehr man sich mit dicker Kleidung und Mütze schützt, der Wind peitscht so sehr, dass einem die Tränen kommen.
Ein weiterer Grund, warum der Winter auf Jeju nicht zu unterschätzen ist, ist der Schnee. An der Küste schneit es selten und der Schnee schmilzt schnell, aber in den mittleren Bergregionen wird man buchstäblich eingeschneit. Wenn man in diesen Lagen in Regen oder Schnee gerät, kann man die Scheibenwischer noch so schnell einstellen – man sieht einfach nichts mehr. Besonders wenn man seine Unterkunft in Seogwipo hat, muss man zwangsläufig über den Hallasan fahren, um zum Flughafen Jeju zu kommen, und das ist dann wirklich gefährlich. Aus diesem Grund empfehle ich dringend, vor der Fahrt nach Jeju zumindest die Reifen zu wechseln.

Jeju ist lustiger als man denkt, aber manchmal auch langweiliger als erwartet. Meiner Erfahrung nach wird es anstrengend, wenn man versucht, ein zu perfektes Leben zu führen. Wenn man die kleinen Mängel akzeptiert und die eigenen Erwartungen etwas herunterschraubt, ist es ein Ort, an dem man rundum zufrieden sein kann.