Moskauer Kreml & Roter Platz: Festung und Kathedralen
Ich habe den Kreml betreten. Den Kreml, den Tom Cruise als "Ethan" in Mission Impossible 3 oder 4 komplett in die Luft jagt. Dieser verdammte Ethan Ob es nun daran liegt, dass er das Symbol der Sowjetunion ist, an den Filmen oder an meiner antikommunistischen Erziehung – in meiner Erinnerung war dieses Gebäude immer nur mit schneetreibenden Wintern und Kälte verbunden. Wenn ich so darüber nachdenke, wusste ich eigentlich gar nicht, was sich im Kreml befindet. Aber allein das Wort "Kreml" strahlte für mich die Macht und den Schrecken der Sowjetunion aus, gepaart mit etwas Geheimnisvollem.

Der Moskauer Kreml, der zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, ist so berühmt, dass man bei dem Wort "Kreml" sofort an ihn denkt. Tatsächlich soll es aber in jeder alten russischen Stadt einen geben. "Kreml" bedeutet auf Deutsch "Festung", und der Moskauer Kreml ist wirklich eine Festung. Schon auf den ersten Blick ist er so riesig und einschüchternd, dass man sofort denkt: "Wer hier angreift, ist des Todes." Auf Fotos aus den 90er Jahren sah der Kreml immer verschneit oder düster aus. Aber der Kreml, den ich heute mit eigenen Augen gesehen habe, ist ein riesiges, wunderschönes Gebäude, das von einer endlos scheinenden roten Mauer kreisförmig umschlossen wird. Genau wie beim Baikalsee lässt sich die majestätische und würdevolle Ausstrahlung des Kremls nicht auf Fotos bannen – man muss ihn einfach selbst sehen. Und auch die schiere Menge an chinesischen Touristen muss man mit eigenen Augen gesehen haben, um sie zu begreifen.



Schon lange bevor man den Kreml erreicht, fallen einem die Wachtürme auf. Zuerst hielt ich sie einfach für große Uhrentürme, aber wenn man näher kommt, merkt man, dass es Eingänge sind. Im Moskauer Kreml gibt es den Spasskaja-, Kutafja-, Troizkaja- und Borowizkaja-Turm. Der erste, der einem ins Auge fällt, ist der Spasskaja-Turm neben der Basilius-Kathedrale. Früher soll er geöffnet gewesen sein, aber heute ist er geschlossen und dient nur noch als Fotomotiv.



Wenn man den Roten Platz und das Grabmal des unbekannten Soldaten hinter sich lässt, sieht man den Troizkaja-Turm. An der Kasse in der Nähe kauft man sein Ticket und geht hier hinein. Beim Ticketkauf gelten Rucksäcke als Gepäck und müssen abgegeben werden. Wenn man drinnen alles gesehen hat, kommt man am Ausgang in der Nähe des Borowizkaja-Turms wieder heraus. Dieses Tor dürfen angeblich nur Fahrzeuge passieren. Ich dachte, der gesamte Kreml sei eine Touristenattraktion, aber einige Gebäude werden von der Regierung genutzt und sind gesperrt. Nur ein paar teure Autos fahren durch den Borowizkaja-Turm hinein. Dass ein Auto kommt, merkt jeder in der Umgebung, denn sie rasen mit ohrenbetäubendem Lärm und unglaublicher Geschwindigkeit durch die Einfahrt. Am Baikalsee habe ich das oft gesehen, aber ich hätte nicht gedacht, dass sie auch hier das Gaspedal bis zum Anschlag durchtreten.






Wenn man weiter hineingeht und an der Zarenkanone vorbeikommt, sieht man die Kathedralen. Die erste ist die Mariä-Entschlafens-Kathedrale (Uspenski-Kathedrale). Das Bewegendste im Inneren der Kreml-Kathedralen war für mich, dass es Informationen auf Koreanisch gab, nicht nur auf Englisch. Es klang zwar etwas steif, als hätte es kein Südkoreaner, sondern ein Koryo-Saram oder ein koreanischer Chinese übersetzt, aber es reichte völlig aus, um zu verstehen, was man vor sich hatte. Da das Fotografieren drinnen verboten war, habe ich keine Bilder gemacht, aber die Russen haben munter drauflos geknipst. Es ist schade, dass ich keine guten Fotos gemacht habe, bevor mir klar wurde, dass man hier eigentlich recht frei fotografieren kann.










Links von der Mariä-Entschlafens-Kathedrale steht der Glockenturm Iwan der Große. Wie der Name schon sagt, sieht man dort mehrere Glocken. Es wäre sicher ein Spektakel, wenn all diese Glocken auf einmal läuten würden, aber so viel Glück hatte ich nicht. Ich konnte nur feststellen, dass es wirklich viele sind. Abgesehen von den Glocken ist das Gebäude auch außergewöhnlich hoch. Das ist auch der Grund, warum man dieses goldglänzende Bauwerk schon von weitem außerhalb des Kremls sehen kann.



Wenn man ein Stück weitergeht, sieht man die Erzengel-Michael-Kathedrale. Die meisten Nicht-Russen finden es drinnen ziemlich langweilig und gehen schnell wieder raus. Im Inneren befinden sich die Gräber mehrerer kaiserlicher Familienmitglieder, aber da man keine Ahnung hat, wessen Grab das ist oder was diese Person getan hat, wirkt es einfach wie ein gewöhnlicher Friedhof. Zum Glück gab es koreanische Erklärungen, sodass ich mir das Wandgemälde des Erzengels Michael an der Wand gut ansehen konnte. Seltsamerweise habe ich von der Erzengel-Michael-Kathedrale keine Fotos.
Gegenüber liegt die Mariä-Verkündigungs-Kathedrale. Die Artefakte aus der Mongolenzeit im Inneren sind so gut erhalten, dass man sie heute noch benutzen könnte. Überraschenderweise war dies der faszinierendste Ort, da es auch Illustrationen gab, wie der Schmuck in der Realität getragen wurde, was der Vorstellungskraft sehr half.


Da es sich allesamt um Kathedralen handelt, bestehen die Wände größtenteils aus Ikonen (Heiligenbildern). Für Katholiken oder Protestanten mag es vertraut sein, aber die etwas flach gezeichneten Darstellungen von Jesus und Maria können anfangs faszinierend wirken. Allerdings sieht man diese Ikonen immer und immer wieder, sodass man irgendwann erschöpft ist und der Kopf nichts mehr aufnimmt. Es gibt so viele davon, dass man sich nur die wichtigsten genau ansehen und den Rest einfach überfliegen sollte.
Die Rüstkammer und der darin befindliche Diamantenfonds sind bei Frauen sehr beliebt, weshalb man viele Frauen und ihre mitgeschleiften Ehemänner hineingehen sieht. Wir hatten jedoch kein großes Interesse und sind nicht hineingegangen. Besonders ich bin jemand, dem beim Anblick von Juwelen schwindelig wird, aus Angst, etwas kaputt zu machen, also habe ich diesmal gepasst. Mir wird ja schon bei Tiffany schwindelig.
Ich habe jetzt einfach nur die Gebäude beschrieben, aber wenn man einmal drinnen ist, kann man außer Fotografieren eigentlich nicht viel machen. Das Innere des Kremls ist ein Ort, den man mal gesehen haben kann, aber es ist nicht so, dass ich unbedingt noch einmal hinmüsste. Für Leute, die nicht viel Geld haben und sich nicht sonderlich für die Ikonen in den Gebäuden interessieren, ist meine absolute Empfehlung: Setzt euch mit einem Getränk auf den Roten Platz und schaut euch den Kreml von außen an, oder setzt euch in den Alexandergarten, starrt auf den Kreml und lasst die Gedanken schweifen. Aber da man nun schon mal hier ist, sollte man vielleicht doch die etwa 10.000 KRW investieren, um sich wenigstens einmal anzusehen, wie es drinnen aussieht.
Ausgaben pro Person / teilweise für 2 Personen
- Frühstück Schaschlik Plov 250 RUB
- Mittagessen Mu-Mu (Restaurantkette) 820 RUB
- Kreml 500 RUB
- Basilius-Kathedrale für zwei Personen 700 RUB
- Abendessen Salat, Brot, Soße 300 RUB, Hühnchen 125 RUB, Schaschlik 126 RUB, Ikra (Kaviar) 100 RUB, Wodka 400 RUB – davon 251 RUB
Gesamtausgaben 2.521 RUB
Gesamtausgaben der Reise 525.936 KRW + 21.012 RUB + 53,16 USD