Santa Monica Pier in LA: Wie im Hollywood-Film
In Hollywood-Filmen taucht fast immer ein Freizeitpark am Meer auf, in dem sich junge Paare oder Freundesgruppen tummeln. Dieser vertraute Ort, den man schon unzählige Male auf der Leinwand gesehen hat, ist genau hier: der Santa Monica Pier. Um mich ein bisschen wie die Hauptfigur in einem Film zu fühlen, habe ich diesen Ort als Abendprogramm für meine Reise nach Los Angeles eingeplant. Mit vollem Magen machte ich mich auf den Weg zu einem abendlichen Strandspaziergang, auch um das Essen ein wenig verdauen zu können.

Wenn man am Eingang ankommt, wird man als Erstes von einem riesigen Neonschild begrüßt. Passend zu einem Ort, der 1909 erbaut wurde und auf eine über 100-jährige Geschichte zurückblickt, versprüht schon das Schild puren Retro-Charme. Da der Pier den Titel des ältesten Vergnügungspiers an der Westküste trägt, scheint er nicht nur für Touristen, sondern auch für Einheimische ein ziemlich symbolträchtiger Ort zu sein.

Als ich weiter auf den Pier lief, waren trotz der späten Stunde noch ziemlich viele Leute beim Spazierengehen unterwegs. Es wirkte jedoch nicht extrem laut und schrill, sondern eher ruhig und gemütlich – als wäre man in einem alten Vergnügungspark gelandet. Die bunten Neonschilder in Kombination mit den alten Holzplanken gaben mir das Gefühl, in die Vergangenheit gereist zu sein. Allerdings war der kalte Wind vom Meer ziemlich frisch, sodass ich mit laufender Nase herumlief – ein Anblick, der ziemlich weit von einem coolen Filmhelden entfernt war.

Nach einem kurzen Stück Fußweg taucht ein bekanntes Garnelen-Logo auf: das Restaurant der Bubba Gump Shrimp Company. Es ist an den Filmklassiker "Forrest Gump" angelehnt. Vor dem Laden sind die Bank, auf der Forrest saß und seine Geschichten erzählte, sowie seine alten Nike-Schuhe originalgetreu nachgebildet. Fast jeder, der vorbeikommt, setzt sich einmal auf die Bank, um ein Erinnerungsfoto zu schießen.
Habe ich also in diesem Restaurant gegessen? Nein. Mein Abendessen hatte ich bereits ausgiebig in einem gehobenen Restaurant in der Stadt, das ich vor dem Besuch des Santa Monica Piers besucht hatte, genossen. Da ich schon satt war, musste ich hier nicht unbedingt noch ein Garnelengericht bestellen. Außerdem würde es auf meiner USA-Reise sicher noch genug andere Gelegenheiten geben, Meeresfrüchte zu essen. Also machte ich nur ein paar Fotos und ging weiter. Wobei ich im Nachhinein denke: Vielleicht hätte ich es doch mal probieren sollen.

Geht man den Pier weiter entlang, stößt man auf den "Pacific Park", einen kleinen Freizeitpark. Genau dieser Park ist die Kulisse, die in so vielen Filmen zu sehen ist. Im ersten "Iron Man"-Film flog Tony Stark bei seinem nächtlichen Flugtest genau hier vorbei. Dank der nostalgischen Beleuchtung der alten Achterbahn und des Riesenrads ist der Park auch ein Dauerbrenner in klassischen amerikanischen Teenie-Filmen.

Die Beleuchtung des Riesenrads vor der Kulisse des nächtlichen Meeres ist ziemlich stimmungsvoll, sodass man den Blick kaum abwenden kann. Ich überlegte kurz, in den Park zu gehen und mit einem der Fahrgeschäfte zu fahren, aber ich wollte hier nicht auf Reisetabletten angewiesen sein, also schaute ich nur von außen zu. Zur Info: Ich fahre nicht einmal in Seoul mit Achterbahnen.

Wenn man am Freizeitpark vorbei zum Zaun am Ende des Piers geht, sieht man über das Meer hinweg die nächtliche Skyline von Los Angeles. Es ist ein faszinierender Anblick: Das Meer direkt vor einem ist pechschwarz, während dahinter die Lichter der Stadt in einem langen Band funkeln. Es ist kein grelles, blinkendes Hochhausmeer, sondern ein sanfter Lichterteppich, der eine sehr beruhigende Wirkung hat. Vielleicht ist es genau diese besondere, ruhige Atmosphäre, die den Pier zu einem so beliebten Schauplatz für Zeitreise-Filme macht.

Wenn man beim Gehen aufmerksam auf den Holzboden achtet, entdeckt man einen großen, aufgemalten Kompass mit der Aufschrift "Santa Monica Pier". Drumherum stehen ein paar verlassene E-Scooter, mit denen wohl jemand hergefahren ist. Da es am Wochenende ziemlich mühsam ist, mit dem Auto hierher zu kommen und einen Parkplatz zu finden, scheinen viele Einheimische einfach einen Scooter zu mieten, um kurz vorbeizuschauen und sich die Meeresbrise um die Nase wehen zu lassen.

Ehrlich gesagt ist es weder die schillernde Nachtansicht noch der Freizeitpark, was mir vom Santa Monica Pier am stärksten in Erinnerung geblieben ist. Es ist das Schild und der Souvenirshop, die das Ende der legendären Route 66 markieren – des Highways, der den amerikanischen Kontinent durchquert. Dies ist der wahre Endpunkt der 2.448 Meilen langen Reise, die in Chicago beginnt und hier in Santa Monica, Los Angeles, endet. Wenn man die vielen Aufkleber und Nummernschilder sieht, die die Spuren unzähliger Menschen hinterlassen haben, spürt man eine unerklärliche Romantik.
Der Pier ist weit entfernt von den modernen, reizüberfluteten Themenparks von heute. Stattdessen lebt er von seiner nostalgischen, romantischen Atmosphäre, die sich über die lange Zeit als Hollywood-Filmkulisse Schicht für Schicht aufgebaut hat. Da die Nachtluft kälter sein kann als erwartet, empfehle ich unbedingt, eine Jacke mitzunehmen, wenn man abends hierherkommt. Es war der perfekte Abendspaziergang, um in aller Ruhe das alte Flair des amerikanischen Westens auf sich wirken zu lassen.


