Café Kkotjari in Cheongdo: Bingsu & Botanischer Garten
Ich habe Daegu hinter mir gelassen und bin ins landschaftlich reizvolle Cheongdo gefahren. Bei Cheongdo dachte ich bisher immer nur an die traditionellen Stierkämpfe, aber wenn man erst einmal hier ist, merkt man, wie wunderschön die Landschaft ist. Ein kulturelles Highlight ist die Festung Cheongdo Eupseong. Da sie von der Provinz verwaltet wird, sind die Festungsmauern und Blumenbeete wunderschön angelegt. Ein Spaziergang um die Anlage sorgt sofort für gute Laune, erst recht bei diesem herrlichen, sonnigen Wetter.




Nachdem ich gemütlich an der Festungsmauer entlanggeschlendert war, bekam ich Durst und sehnte mich nach einer Klimaanlage. Direkt daneben stand ein Hanok (ein traditionelles koreanisches Haus), das genauso schön war wie die Festung – es stellte sich als Café heraus. Der Name „Kkotjari“ (Blumenplatz) klingt vielleicht etwas altmodisch, aber die Größe und Pflege der Anlage sind so beeindruckend, als würde ein mittelständisches Unternehmen dahinterstecken. Beim Betreten wird man von einer Steinpagode begrüßt, obwohl es gar kein Tempel ist. Man schaut sich erst einmal verwundert um und fragt sich, ob man in einem Café, einem Tempel oder einem Schrein gelandet ist.




Auch im Inneren des Cafés setzt sich die ruhige, historische Atmosphäre fort. Stühle, die aus der Zeit vor den 70er Jahren zu stammen scheinen, und ein Kohlenbecken, das wohl noch aus der japanischen Kolonialzeit stammt, geben einem das Gefühl, in die Vergangenheit gereist zu sein.
Da es heiß war und das Ambiente so traditionell wirkte, bestellte ich Patbingsu (koreanisches geschabtes Eis mit roten Bohnen) und Tteok (Reiskuchen). Das Essen kam schnell und war alles andere als gewöhnlich. Die Portion war so riesig, dass man sie unmöglich alleine essen konnte. Das Patbingsu war mit einem Muster verziert, das wie ein traditioneller Dachziegelabschluss aussah (ich habe den Namen dafür beim Googeln zum ersten Mal gelernt). Dazu gab es wunderbar zähen Tteok, von dem man nach dem ersten Bissen gar nicht mehr genug bekommen konnte. Serviert wurde das Ganze nicht in normalen Schalen, sondern in edlem Messinggeschirr, was dem Essen eine besonders elegante und klassische Note verlieh.



Das Erlebnis im Kkotjari ist aber nicht vorbei, sobald man sein Patbingsu drinnen aufgegessen hat. Nach einer Tasse Tee sollte man unbedingt hinter das Gebäude gehen, um das eigentliche Highlight des Cafés zu sehen. Dort befindet sich ein kleiner botanischer Garten, der so makellos gepflegt ist, dass man sich fragt, wer der Besitzer ist – es wirkt fast so, als würde ein ganzes Team von Angestellten ihn in Schuss halten.
Da auch kleine Topfpflanzen verkauft werden, scheint das Ganze mehr als nur ein Hobby zu sein. Die Anlage ist ziemlich groß, sodass man hier einen kleinen Spaziergang machen kann, ähnlich wie an der Festung Cheongdo Eupseong. Zwischendurch gibt es Pavillons und Bänke zum Ausruhen. Es muss toll sein, die Blumen und Pflanzen im Wechsel der vier Jahreszeiten zu beobachten. Es ist also kein Ort, den man nur einmal besucht und dann abhakt, sondern einer, an den man oft zurückkehren möchte, um das wechselnde Wetter und die Landschaft zu genießen. Ich werde zwar nicht allzu oft herkommen können, aber wenn ich in der Nähe bin, möchte ich auf jeden Fall immer wieder vorbeischauen.




