Hoi An Altstadt bei Tag: UNESCO-Weltkulturerbe

Da ich die Reise dieses Mal nicht selbst geplant habe (wobei ich auch bei Solo-Trips nicht wirklich plane), wusste ich absolut nichts über die Stadt Hoi An. Kurz zusammengefasst nach dem, was ich so aufgeschnappt habe: Hoi An ist ein Ort, den man bei einer Reise nach Da Nang wie einen obligatorischen Ritus besucht. Mit diesem spärlichen Vorwissen und der Tatsache, dass unser Rückflug spät ging, stand nur der Plan fest, zuerst Hoi An und dann Da Nang zu besuchen. Im Nachhinein betrachtet wäre es vielleicht besser gewesen, erst in Da Nang Kleidung und Dinge des täglichen Bedarfs zu shoppen und dann nach Hoi An zu kommen. Wie auch immer, da ich vorher nirgends gelesen hatte, warum diese kleine Stadt und besonders ihre Altstadt so berühmt und reizvoll sind, blieb mir nichts anderes übrig, als es mit eigenen Augen herauszufinden.

Um die Altstadt zu betreten, muss man ein Ticket kaufen. Es kostet pro Person etwa 6.000 KRW (koreanische Won) und beinhaltet auch den Eintritt zu den Sehenswürdigkeiten innerhalb der Altstadt. Mein Kumpel meinte zwar, man käme auch ohne Geld rein und nur Idioten würden Tickets kaufen, aber wir sind nun mal Idioten – und selbst wenn nicht, sollte man ein Ticket kaufen. Natürlich könnte man nach einigem Herumlaufen so tun, als hätte man eins, und frei ein- und ausgehen, aber ich weiß nicht, ob das für 6.000 KRW wirklich nötig ist. Es gibt das Gerücht, dass nur Koreaner kontrolliert werden, aber wie ich selbst gesehen habe, werden alle völlig gleichberechtigt angehalten und zur Kasse gebeten. Egal ob Demokratie oder Sozialismus, Steuern werden nirgendwo erlassen. Auch wenn es Orte wie Cebu gibt, die erfundene Steuern erheben, um dann Rabatte zu geben.


Laut Wikipedia war Hoi An schon im 1. Jahrhundert als Hafen bekannt. Ein berühmter Hafen bedeutet Handelsrouten, und das wiederum heißt, dass hier Menschen aus vielen verschiedenen Ländern lebten. Chinesen, Japaner, Westler und Inder – alle, die Geld verdienen wollten, kamen mit dem Schiff hier durch. Daher sind viele Gebäude erhalten geblieben, die von Kaufleuten aus den verschiedensten Ländern erbaut und hinterlassen wurden.
Trotz dieses Hintergrunds war ich beim Spaziergang durch die Altstadt ein wenig enttäuscht. Die kostenpflichtigen Sehenswürdigkeiten sind alte Brücken und Gebäude im chinesischen und japanischen Stil. Für einen Koreaner, der durch die geografische Nähe stark von diesen beiden Ländern beeinflusst ist, war das nicht sonderlich beeindruckend. Die blondhaarigen Touristen hingegen verbrachten ihre Zeit damit, fasziniert das Innere der Schreine zu fotografieren und die Inschriften zu lesen. Wenn man das sieht, merkt man, dass es vielleicht nicht immer nur von Vorteil ist, viel zu wissen und schon viel gesehen zu haben.


Wenn man tagsüber durch die Altstadt schlendert, sieht man viele moderne Gebäude mit altmodischen Dächern, umgeben von Bäumen und hübschen Blumen. Wenn dann noch die für Vietnam so typischen, straßenfüllenden Motorroller vorbeifahren, entsteht dieses einzigartige Straßenbild, das es nur in Hoi An gibt. Während sich europäische Altstädte auf die reine Erhaltung konzentrieren, hat man in Hoi An das Gefühl, dass der Fokus auf einer Mischung aus Historie und vietnamesischer Schönheit liegt. Diese Schönheit explodiert förmlich, wenn nachts die Laternen leuchten.
Aber all das gilt nur, wenn man in Maßen läuft. Wir sind von 9 Uhr morgens bis 15 Uhr nachmittags ununterbrochen marschiert. Zwischendurch haben wir zwar Kaffee getrunken und etwas gegessen, aber bei über 30 Grad Hitze haben wir die Altstadt einmal außen umrundet und dann das Innere wie bei einer Schatzsuche durchkämmt. Es war zwar der erste richtige Reisetag, aber das war einfach viel zu viel Energie. Ich bin jemand, der auch mal ewig in einem Café mit Blick auf die Straße vor sich hin starrt oder sich bei einer schönen Aussicht ausruht, aber dieser Kerl, der zum ersten Mal seit 10 Jahren wieder im Ausland war, hatte das absolut nicht vor. Am Ende war ich völlig dehydriert. Dass ich keine 24 Stunden nach dem Aussteigen aus dem Flugzeug schon nach einem Pocari Sweat (Sportgetränk) suchen musste... Wenn er nicht vorher gesagt hätte, dass dies ein Erholungsurlaub wird, hätte ich wenigstens meine Kondition trainiert. Die Sonne des ersten Reisetages stand noch hoch am Himmel, aber ich bin letztendlich einfach totmüde ins Bett gefallen.

