Jeju Olle Trail Route 6: Weg nach Seogwipo
Heute ist das Wetter schön, also laufe ich die Route 6 des Olle Trails (bekannter Wanderweg auf Jeju). Mein Begleiter ist der Straßenhund aus unserem Gebäude! Er ist von zu Hause bis zum Startpunkt mitgelaufen und denkt gar nicht daran, umzukehren. Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, wie weit er mir wohl folgen wird. Er lief bis zur Soesokkak-Mündung mit, aber dann hatte er wohl Angst vor der Holzbrücke und verschwand spurlos.



Man sagt, der Kaffee bei Terarosa sei so gut, also bin ich hin, habe eine Tasse getrunken und mich ausgeruht, bevor ich weiterging. Ich habe wohl zu lange getrödelt, denn wenn ich mich jetzt nicht beeile, geht die Sonne unter. Nach dem Terarosa-Café sieht man Wegweiser und Steine mit Erklärungen zu den Felsen und dem Meer. Es sieht so aus, als hätte das Dorf Geld in die Hand genommen, um sie aufzustellen. Man spürt richtig die Mühe dahinter... Das hat mir beim Gehen ein warmes Gefühl gegeben.




Wenn man die Route 6 läuft, tauchen immer wieder völlig unerwartete Dinge auf. Schon die Soesokkak-Mündung liegt an einem Ort, wo man denkt: "Was soll hier schon sein?" Aber noch seltsamer ist der traditionelle Bogenschießplatz, der plötzlich auftaucht. Ich erinnere mich nicht mehr genau, aber nachdem man ein Regierungsgebäude für Meeresforschung passiert hat (ich war überrascht, wie sauber es drinnen war), steht da plötzlich dieser Bogenschießplatz. Danach beginnt aus dem Nichts ein Offroad-Abschnitt. Die Route 6 ist wirklich unberechenbar.


Wenn man schnell über den Weg geht, der grob aus den umliegenden Steinen zusammengebaut zu sein scheint, stößt man auf ein verfallenes Hotel. Laut Standort müsste es das Seogwipo KAL Hotel sein, aber es wirkt völlig verlassen. Auf einer anderen Karte steht Paradise Hotel, also vermute ich, dass hier früher das Paradise Hotel stand. Von außen sieht es noch so gut aus, dass man fast einziehen könnte, wenn man nur ein bisschen aufräumt. Ich frage mich wirklich, was da passiert ist.



Wenn die Soesokkak-Mündung der Start der Route 6 ist, dann ist der Jeongbang-Wasserfall so etwas wie der Mittelpunkt. Für den Jeongbang-Wasserfall muss man allerdings Eintritt zahlen, daher ist es eine gute Idee, sich vorher den Sojeongbang-Wasserfall (einen kleineren Wasserfall) ausgiebig anzusehen. Wenn man natürlich genug Zeit und Lust hat, den Eintritt zu zahlen, sollte man sich auch den Jeongbang-Wasserfall ansehen.
Der Sojeongbang-Wasserfall ist zwar etwas kleiner, hat aber die Besonderheit, dass er direkt ins Meer stürzt, was ihn irgendwie niedlich macht. Es ist der perfekte Ort, um Wasser oder eine warme Tasse Kaffee zu trinken, also verpasst ihn nicht.



Nachdem man sich vor der "Burg der Muscheln" (Sora-ui Seong) seinen Stempel abgeholt hat, stößt man auf Schilder zu zwei Vorfällen, die einen die Texte sehr aufmerksam lesen lassen und man sich fragt: "Sowas ist hier passiert?"
Das eine ist ein Spionage-Infiltrationsvorfall, das andere das Schiffsunglück der Namyoung-ho.
Der Spionagevorfall kommt heutzutage nicht mal mehr in den Nachrichten, da denkt man sich nur fasziniert: "Ach, sowas gab es auch mal~". Aber beim Schiffsunglück der Namyoung-ho wird mir schwer ums Herz, weil ich denke: "Was damals passiert ist, hat sich vor ein paar Jahren bei der Sewol-Fähre wiederholt..." Was noch schwerer zu beheben ist als ideologische Probleme, ist wohl die ständige Vernachlässigung von Sicherheit und die Abstumpfung dagegen. Genauer gesagt wäre es wohl treffender zu sagen: Sicherheit, die aus Geldgier ignoriert wird.




Wenn man am Jeongbang-Wasserfall vorbeigeht, kommt man auf einen Weg, der Xu Fu (Seobok) gewidmet ist, einem beispiellosen Betrüger aus China aus der Zeit vor Christus. Er ist ein legendärer Schwindler, der Qin Shi Huang (dem ersten Kaiser) vorlog, er würde das Kraut der Unsterblichkeit bringen, dann in Seogwipo Halt machte und irgendwohin verschwand. Der Name Seogwipo leitet sich auch davon ab, dass Xu Fu hier vorbeikam.







Jetzt bin ich in der Innenstadt von Seogwipo. Nur noch ein kurzes Stück, dann habe ich die Route 6 geschafft. In der Innenstadt gibt es die Lee-Jung-seop-Straße, benannt nach dem Maler, auf den Seogwipo so stolz ist. Deshalb gibt es hier viele Werkstätten und die Hauptwerke von Lee Jung-seop sind oft als Wandmalereien zu sehen. Ich mag den Maler wirklich sehr, aber sein Leben war so tragisch, dass ich beim Betrachten seiner Bilder eher Traurigkeit als Freude empfinde. Auch beim Entlanggehen dieser Straße werde ich traurig.






Endlich am Ziel! Wie schon bei Route 5 ließ sich auch bei Route 6 der Stempel nicht richtig aufdrücken. Vielleicht, weil schon so viele Leute hier waren? Wenn Route 5 die Strecke für Naturlandschaften ist, fühlt sich Route 6 eher wie ein Rundgang durch Touristenattraktionen an. Anstrengend sind beide gleichermaßen.