Radtour am Daecheong-See: Kirschblüten & Hügel

Dieses Mal geht es zum Daecheongho (Daecheong-See).
Eine der unüberlegtesten und verrücktesten Aktionen von mir in diesem Jahr war die Anmeldung zum Seorak Granfondo. Nicht Mediofondo, sondern Granfondo. Der Kumpel, der mich zu diesem Wahnsinn überredet hat, schlug eine Tour zum Hwaaksan (Berg in Gyeonggi-do) vor. Da ich aber eher schwächlich bin und in letzter Zeit kein Intervalltraining gemacht habe, zögerte ich nicht nur beim Seorak, sondern auch beim Hwaaksan.
Er muss gemerkt haben, dass etwas nicht stimmt, denn er lockte mich mit den Worten: „Dann lass uns doch eine Runde um den Daecheong-See drehen.“ Am Daecheong-See wohnt auch ein Bekannter, den ich meinen Fahrrad-Meister nenne, und nach den Kirschblüten-Fotos aus Daejeon zu urteilen, sah es machbar aus. Ich fiel auf den Satz „Wir müssen nur einen einzigen Pass überqueren, der Rest ist flach“ herein und stieg ins Auto. Wie immer gilt: Was Radfahrer sagen, muss man grundsätzlich anzweifeln. Es ist alles flach. Die Nudeln dort schmecken super. Und so weiter.

Von Seoul bis zum Bezirksamt Sangdang-gu dauert es etwa anderthalb Stunden. Kaum angekommen, machten wir uns fertig, tranken noch einen Kaffee und fuhren direkt los. Da es anfangs nur flach war, dachte ich, es wird heute eine ganz entspannte Sightseeing-Tour. Aber nach etwa 10 Kilometern begann der Pibanryeong-Pass.
Seit ich am Hangyeryeong-Pass einmal völlig eingebrochen bin, bin ich bei Pässen immer nervös. Aber für einen Bergpass waren es moderate 4 Kilometer mit einer konstanten Steigung von etwa 7 %, sodass ich ihn gut ohne Pause schaffen konnte. Da ich als Anfänger bisher nur den Ihwaryeong und den Hangyeryeong gefahren bin, weiß ich nicht, ob der Vergleich passt, aber für einen Pass ist er eher auf der leichten Seite. Das heißt natürlich nicht, dass es nicht anstrengend war. Die Lunge platzt fast und man fragt sich unweigerlich, warum die Strecke hier gleich so anfängt. Prahlerei und Gejammer gibt es eben nur vor und nach der Fahrt.

Nach der Abfahrt vom Pibanryeong beginnt die eigentliche Kirschblüten-Strecke. Im Gegensatz zu Seoul und dem Umland, wo die Blüten nur vereinzelt zu sehen sind, zieht sich die Blumenpracht hier über die gesamte Fahrt. Es stehen nicht einfach irgendwelche namenlosen Blumen am Rand, sondern eine schier endlose Allee aus Kirschbäumen. Die Bäume sind über eine so lange Strecke so gut gepflanzt und gepflegt, dass ein Ausländer denken könnte, Kirschbäume seien in Korea heimisch. Normalerweise gibt es hier kaum Autos, aber im Frühling zur Kirschblüte und im Herbst, wenn das Laub fällt, soll mehr Verkehr sein. Aber selbst dann ist es weniger als an einem Wochenende in Seoul.
Eigentlich sollte man auf so einer tollen Straße gemütlich radeln und die Landschaft genießen, aber die Jungs, mit denen ich fahre, lassen solche Sentimentalitäten nicht zu. Bei dieser Tour gab es null Rücksicht auf Anfänger, sodass ich statt der Blumen immer mehr nur den Hintern meines Vordermanns und den Asphalt bewunderte. Wo wir gerade beim Asphalt sind: Der Straßenzustand ist kurz gesagt „Spitzenklasse“. Der Belag ist super, und da nicht viele Autos unterwegs sind, gibt es kaum Risse oder Steine. Ich verstehe jetzt, warum sie zum Radfahren nicht nach Seoul kommen.


Der größte Nachteil der Kirschblütenstraße sind die endlosen „Kamelbuckel“. Es ist ein ständiges Auf und Ab von wirklich kurzen Anstiegen und Abfahrten. Nach dem Pibanryeong hieß es noch ganz klar: „Jetzt kommen keine Anstiege mehr!“, aber vor meinen Augen tauchte ein Hügel nach dem anderen auf. Anfänger sind ständig damit beschäftigt, die Gänge hoch- und runterzuschalten. Die guten Fahrer hingegen bleiben auf dem großen Kettenblatt, fahren im Wiegetritt und drängen einen, sich zu beeilen.
Leute, ich will ja wirklich schneller fahren... aber meine Beine weigern sich...
Das Wetter sah erst gut aus, aber dann fing es an zu nieseln. Wir flüchteten schnell in ein Café, um eine kurze Pause einzulegen, und dort gab es kostenlosen Toast. Wahrscheinlich bieten sie diesen Service an, weil direkt davor ein Überland-Radweg verläuft. Ich hoffe, viele Radler schauen dort vorbei, um ihren Hungerast zu bekämpfen.



Weil wir so viele Pausen gemacht haben (so sagte zumindest der Einheimische), zog sich die Tour in die Länge. Wir saßen wohl etwa 5 Stunden im Sattel, aber mit Hin- und Rückfahrt (es gab ziemlich viel Stau) muss man wohl mit 9 Stunden rechnen. Wenn man im Morgengrauen losfährt und ohne Pause durchzieht, könnte man es sicher auf 6 Stunden reduzieren. Wegen des Coronavirus, das gerade die ganze Welt in Atem hält, sind viel mehr Menschen draußen unterwegs, was das Radfahren schwieriger macht. Aber hier gibt es relativ wenig Menschen und Autos, weshalb es momentan eine wirklich tolle Strecke zum Fahren ist.