Sendai in Gongdeok: Verstecktes Sushi & Kabeljau-Suppe
Ich war vom gestrigen Trinken noch nicht ganz nüchtern und brauchte dringend ein Katerfrühstück. Es fühlt sich zwar jeden Tag so an, aber das ist nur Einbildung – heute war wirklich mal wieder so ein Tag. Statt der üblichen Pho oder Jjamppong (scharfe Meeresfrüchtesuppe) brauchte ich eine milde, erfrischende Brühe. Ein Arbeitskollege hat meine Bedürfnisse genau erkannt und wir sind Daegutang (Kabeljau-Suppe) essen gegangen.

Für die Suppe betraten wir ein Geschäftsgebäude und gingen ins Untergeschoss. Ich war etwas skeptisch, aber da mein Kollege für seinen anspruchsvollen Gaumen bekannt ist, vertraute ich ihm. Als wir den etwas schäbig wirkenden Eingang passierten, spürte ich sofort die Aura eines wahren Meisters. Wie viele japanische Restaurants trocknen schon ihren eigenen Fischrogen direkt am Eingang? Es schien, als hätten wir einen Laden gefunden, der trotz seines Äußeren durch innere Werte glänzt.




Da es Mittag war (und ich ohnehin einen Kater hatte), ließen wir den Alkohol weg und bestellten direkt die Daegutang. Da der Laden so vielversprechend wirkte, haben wir gleich noch Sushi dazu geordert.


Ich weiß nicht, ob es an der Suppe, dem Sushi oder daran lag, dass wir direkt zur Öffnung hereinschneiten, aber als Vorspeise bekamen wir Hoe-muchim (würziger roher Fischsalat). Dazu gab es als Service des Hauses noch dünn aufgeschnittenes Sashimi. Ich wies extra darauf hin, dass wir kein Menü, sondern nur die Kabeljau-Suppe bestellt hatten. Aber da wir die einzigen Gäste waren, meinten sie, das Essen könne gar nicht falsch geliefert worden sein. Vielleicht ist das einfach die herzliche Gastfreundschaft eines echten Traditionslokals.
Der Fischsalat und das Sashimi waren unglaublich lecker. Das ist auch der Grund, warum ich den Titel dieses Beitrags im Kopf von „Gongdeok Daegutang“ zu „Gongdeok Daegutang & japanisches Essen“ geändert habe. Nach dem Probieren des rohen Fisches stieg meine Vorfreude auf ein richtig gutes japanisches Essen enorm. Ich nahm mir fest vor, wiederzukommen und unbedingt ein Sashimi-Menü oder das Chef-Menü zu probieren.


Dann kamen die Hauptgerichte: Daegutang und Sushi. Die Brühe der Kabeljau-Suppe fühlte sich an, als würde sie den Soju von gestern Abend direkt aus meinem Hals spülen und im Magen auflösen. Da wir sie als Jiri (klare Brühe, nicht scharf) bestellt hatten, kam der reine, saubere Geschmack besonders gut zur Geltung. Ich trank eine Weile nur die Brühe, bevor ich mit den Stäbchen nach dem Kabeljau fischte. Sie müssen einen riesigen Fisch verwendet haben – als ich eines der beiden großen Stücke herausnahm, schien die Schüssel plötzlich nur noch halb voll zu sein. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt so fleischigen Kabeljau gegessen habe. Zutaten und Geschmack waren einfach top.
Das Sushi schmeckte ganz klassisch. Es war nicht zu viel Reis, sondern genau die richtige Menge, sodass man den Eigengeschmack des Fisches perfekt wahrnehmen konnte – eine sehr aufmerksame Zubereitung.




So wie man bei Menschen oft die inneren Werte übersieht, wenn man nur auf das Äußere achtet, ist auch das Sendai in Gongdeok (Seoul) ein altes Lokal, das trotz seiner abgenutzten Fassade erstaunliche Geschmackserlebnisse bietet. Ich bin richtig gut gelaunt, weil ich heute in so einem Traditionsrestaurant eine wirklich anständige Mahlzeit hatte. Wenn es etwas zu feiern gibt, werde ich definitiv für ein abendliches Sashimi wiederkommen.