Yeongbyeon in Seocho: Teuerstes & bestes Seggosi
Wegen Corona haben wir unsere Teamessen nur noch mittags veranstaltet. Doch dann kam die Frage auf: „Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einem Mittag- und einem Abendessen?“, und so wurde vorsichtig ein abendliches Teamessen vorgeschlagen. Ein Kollege suchte nach einem Ort, der nicht zu weit weg ist und viel Platz bietet. Die Wahl fiel schließlich auf das Yeongbyeon (in Seocho, Seoul).
Von außen sah es weder wie ein altes, traditionelles Lokal aus, noch passte die Fassade überhaupt zu einem Fischrestaurant. Wir dachten alle nur: „Das heutige Essen ist ein Reinfall :)“ und gingen völlig resigniert hinein. Meine Erwartungen waren so im Keller, dass ich nicht einmal ein Foto von außen gemacht habe.
Drinnen angekommen, war die erste Überraschung, dass das Seggosi (in Scheiben geschnittener roher Fisch mit weichen Gräten) in Einzelportionen verkauft wird. Normalerweise bestellt man Seggosi in den Größen Klein, Mittel oder Groß, aber nicht pro Person. Im Yeongbyeon muss man für jeden einzeln bestellen, und jeder isst seinen eigenen Fisch, den er vor sich stehen hat. In Corona-Zeiten hat das definitiv den Vorteil, dass man nicht aus denselben Schüsseln isst.
Die nächste Überraschung war der Preis. Dass sie Einzelportionen verkaufen, ist ja noch das eine, aber von Seggosi für 35.000 KRW pro Portion habe ich noch nie gehört. Bestellt man ein Seggosi und eine Flasche Soju, ist man direkt bei 40.000 KRW. Bei vier Personen macht das 140.000 KRW – für das Geld bekommt man in einem normalen Fischrestaurant eine große Platte vom allerbesten Sashimi.






Das Seggosi wurde serviert. Man wickelt den Fisch zusammen mit den darunterliegenden Rettichstreifen in ein Salat- oder Perillablatt und gibt Ssamjang (gewürzte Sojabohnenpaste) oder Cho-Gochujang (Chilipaste mit Essig) dazu. Je nach Geschmack kann man auch Knoblauch oder Chili hinzufügen. Obwohl es Seggosi hieß, spürte man beim Kauen überhaupt keine Gräten; es war unglaublich zart. Es war aber auch kein komplett grätenfreies Filet. Die Rettichstreifen waren ebenfalls sehr weich und frisch, was dem Ganzen eine erfrischende Note verlieh. Das absolute Highlight waren jedoch Ssamjang und Cho-Gochujang. Vielleicht haben sie Honig hinzugefügt, es schmeckte einfach fantastisch. Als wir fragten, was drin sei, hieß es, das Rezept sei patentiert und daher ein Geheimnis. Ob es wirklich ein Patent gibt, weiß ich nicht, aber dass es ein gut gehütetes Betriebsgeheimnis ist, haben wir alle sofort geglaubt.
Wegen des Preises von 35.000 KRW war es ein „Seggosi, das einfach schmecken muss“ – und tatsächlich war es köstlich. Bei dem Preis erwartet man das natürlich, aber wenn man den Preis für einen Moment ausblendet, war es ein Seggosi, das man so woanders kaum findet.

Während das Seggosi wirklich hervorragend war, war die zusätzliche Mahlzeit (Reis und Beilagen) für 5.000 KRW eine echte Enttäuschung. Sowohl das Kimchi als auch das Kkakdugi (Rettich-Kimchi) hatten einen sehr eigenwilligen Geschmack, den man eigentlich nicht essen wollte.
Ich würde gerne öfter herkommen, aber der Preis schreckt mich doch ziemlich ab. Es wird wohl schwer, dreimal oder öfter hierherzukommen, um das Restaurant in meine Kategorie „Oft besucht und empfohlen“ aufzunehmen. Wenn man aber unabhängig vom Geld einfach mal eine echte Delikatesse mit einem Glas Soju genießen möchte, kann ich es wärmstens empfehlen.