Bukgyeong Banjeom in Seoul: Chinesisches Festmahl
Wenn man die Sinsa Station (U-Bahn in Seoul) verlässt und Richtung Garosu-gil geht, kommt man an einer Restaurantgasse vorbei. Hier mischen sich alteingesessene Lokale wie das Ribukjib mit ständig wechselnden Läden, die die neuesten Trends widerspiegeln. Das Bukgyeong Banjeom (Peking-Restaurant), das ich heute vorstelle, ist ein Urgestein in diesem Viertel. Schon als Kind war ich oft hier, weil mir die Jajangmyeon (Nudeln in Schwarzbohnensauce) und der gebratene Reis so gut schmeckten. Weder der Name noch die Einrichtung sind besonders auffällig. Es ist einfach ein typisches chinesisches Nachbarschaftsrestaurant, aber da wir heute direkt von einer Hochzeit kommen, werden wir Gerichte probieren, die ich hier noch nie gegessen habe.
Wegen Corona gibt es auf Hochzeiten momentan kein Essen, sondern man bekommt ein Geschenk. Bei der heutigen Hochzeit gab es Wein als Gastgeschenk. Wir wollten eigentlich in ein Restaurant mit Korkgeld-Service gehen, fanden aber nichts Passendes und schlenderten in der Nähe der Sinsa Station umher. Dann sah einer unserer trinkfesten Freunde an der Wand des Bukgyeong Banjeom Werbung für Yanghe Daqu (chinesischer Schnaps) und ging einfach hinein.






Ich habe Yanghe Daqu (ausgesprochen wohl Yanghe Daqu...) gegoogelt und festgestellt, dass es kein gewöhnlicher Schnaps ist. Er wurde zwar nicht erst kürzlich, sondern schon vor 50 Jahren zu einem der acht berühmtesten Spirituosen gewählt und wurde danach wohl immer bekannter. Der einzige Baijiu (weißer Schnaps), den ich bisher kannte, war Yantai Gaoliang, aber heute habe ich einen weiteren kennengelernt. Während der Yantai Gaoliang eher rau im Abgang ist und dann ein feuriges Aroma aufsteigt, gleitet der Yanghe Daqu sanft hinunter und ein dezenter, aber sehr deutlicher Duft steigt in die Nase. Wenn man ihn auf Eis kühlt, wird er noch weicher. Alle sagen, das Aroma erinnere an Blumen.
Im Supermarkt kostet die große 500ml-Flasche wohl etwa 20.000 KRW, aber hier im Restaurant verlangen sie rund 60.000 KRW. Der Preis stand nicht genau auf der Speisekarte, aber da wir viel Essen und gleich drei Flaschen bestellt haben, ließ sich am Preis noch etwas machen. Der Rabatt war natürlich nicht riesig, man sollte also nicht zu viel erwarten. Wenn der Schnaps auch in Zukunft nicht auf der Karte steht, fragt am besten einfach nach dem Preis.








Wir waren zu siebt und haben für etwa 380.000 KRW gegessen – das war wirklich eine Menge. Es gab sogar jemanden, der keinen Alkohol trinkt, und trotzdem kamen wir auf diese Summe. Wir sind eben echte Säufer Genießer. Abgesehen vom Menbosha (frittierter Garnelentoast) waren alle Gerichte so lecker, dass sie sich nirgendwo verstecken müssten. Kein Wunder, denn auch wenn der Hype etwas nachgelassen hat, kann man sich rund um die Garosu-gil nicht lange halten, wenn das Essen nicht schmeckt. Zu meiner Schulzeit gab es hier die besten Jajangmyeon und den besten gebratenen Reis der Gegend, und die Gerichte heute waren genau so lecker, wie ich es erwartet hatte.
Wenn man reinkommt, denkt man vielleicht: "Das ist doch nur ein ganz normales chinesisches Restaurant", aber unter diesen normalen Restaurants gehört es definitiv zu den besten. Manchmal ist so ein Laden besser als einer, der wegen seiner schicken Einrichtung höhere Preise verlangt. Besonders nach einer glamourösen Hochzeit ist es toll, sich lässig die Krawatte zu lockern und zu sagen: "Ach, probieren wir heute mal Yanghe Daqu mit Zitronen-Garnelen und Yuringi (frittiertes Hähnchen in Sojasauce)?" – ein guter Ort, um den Neid auf das Brautpaar abzubauen und ihnen gleichzeitig alles Gute zu wünschen.