Doljib Sikdang auf Jeju: Traditionelles Familienessen
Eines der Dinge, die ich am meisten bedaure, seit ich in Seogwipo (im Süden von Jeju) lebe, ist, dass es nur wenige gute koreanische Casual- oder Fine-Dining-Restaurants gibt, in die man gut mit älteren Herrschaften oder der ganzen Familie gehen kann. Bis heute fällt mir außer dem "Doljib Sikdang", über das ich heute blogge, kein anderes Lokal ein. Als ich überlegte, wo ich mit einem Freund die letzte Mahlzeit des Jahres 2021 einnehmen sollte, schien es mir am passendsten, im Doljib Sikdang Duruchigi (scharf gebratenes Schweinefleisch) zu essen.



Da er schon mal auf Jeju war, wollte ich ihm unbedingt etwas servieren, das die Einheimischen hier oft essen, also entschied ich mich für Duruchigi. Genauer gesagt für das Menü mit Duruchigi vom schwarzen Schwein. Der im Menü enthaltene gegrillte Fisch ist importierter Okdom (Torpedobarsch). Die Kombination ist ziemlich reichhaltig und bietet ein tolles Preis-Leistungs-Verhältnis.
Persönlich bin ich am meisten auf das "Doljib Babdoduk"-Menü (wörtlich: Reisdieb) gespannt, aber das habe ich mir für später aufgehoben.

Sobald die Beilagen serviert werden, bewegen sich die Essstäbchen ununterbrochen. Da jeweils ein ganzer Teller mit in Sojasauce marinierten Krabben (Ganjang Gejang) und scharf marinierten Krabben (Yangnyeom Gejang) auf den Tisch kommt, verschwindet der Reis schon, bevor das Duruchigi überhaupt da ist. Kurz nach den Beilagen wird das Duruchigi auf einem Gaskocher platziert. Etwas später folgt Ssukjeon (Beifuß-Pfannkuchen) und schließlich der gegrillte Torpedobarsch. Wie es sich für ein echtes Menü gehört, wird der Tisch pausenlos mit Essen gefüllt. Es ist lustig zu beobachten, wie der Kleine erst ununterbrochen plappert und dann jedes Mal ganz still wird, wenn neues Essen kommt.




Die Beilagen sind schön herzhaft und machen ständig Lust auf mehr Reis. Besonders die marinierten Krabben sind köstlich. Sie verwenden pralle, fleischige Krabben, an denen ordentlich was dran ist – man hat fast das Gefühl, dass das allein schon als Mahlzeit reichen würde.
Das Hauptgericht, Duruchigi, wird ganz nach Jeju-Art mit Doenjang (Sojabohnenpaste) verfeinert, was ihm einen herrlich nussigen Geschmack verleiht. Ich dachte eigentlich, dass auch Kinder es essen könnten, aber der Papa meinte, es sei doch zu scharf für die Kleinen, und machte sich stattdessen eifrig daran, den Fisch zu entgräten. Es ist kein extrem einzigartiger oder besonderer Geschmack, aber ein grundsolides Duruchigi, das perfekt zu Reis passt und genau so schmeckt, wie man es sich vorstellt.
Der Torpedobarsch ist zwar etwas klein, hat aber viel Fleisch. Ein bisschen schade war, dass ich fahren musste und deshalb keinen Soju (koreanischer Schnaps) trinken konnte. Ach, zu so einem gegrillten Fisch passt Soju einfach perfekt. Der Beifuß-Pfannkuchen ist gut, um den Magen zu füllen. Da die anderen Gerichte so intensiv und lecker schmecken, isst man ihn eher zwischendurch, um den salzigen Geschmack etwas zu neutralisieren.

Bei einem Tisch voller köstlichem Essen haben sowohl die Kinder als auch die Erwachsenen kräftig zugelangt. Es ist nicht das allerbeste oder außergewöhnlichste Restaurant auf Jeju. Es fühlt sich eher wie eine sehr klassische, hausgemachte Mahlzeit an, von der es auf Jeju eine recht große Auswahl gibt. Es ist der perfekte Ort, wenn man mit älteren Leuten unterwegs ist und Nudeln oder eine einfache Suppe nicht ausreichen, Fine Dining aber zu teuer wäre. Da es nicht im Stadtzentrum liegt, ist es nicht ganz so leicht zu erreichen, aber wenn man auf dem Weg zwischen Sehenswürdigkeiten zum Mittag- oder Abendessen hier einkehrt, wird man von den Älteren garantiert gelobt werden.