Hello Boiling Crab: US-Seafood-Boil auf Jeju
Ich finde, eines der Dinge, die man als Einwohner von Seoul bei einem Besuch auf Jeju (einer Insel im Süden Koreas) nicht tun sollte, ist westliches Essen wie italienische oder französische Küche zu essen. Das gilt auch für japanisches Essen. Die Auswahl in Seoul ist einfach so gut, dass man auf Jeju nicht unbedingt Pasta oder Reisschalen essen muss.
Bei einem amerikanischen Seafood-Boil sieht die Sache allerdings etwas anders aus. Nachdem ich bei "Gla Gla Hawaii" einen Geschmack erlebt hatte, den man in Seoul kaum findet, hat mich auch "Hello Boiling Crab" mit einem Krabbengericht überzeugt, das locker mit dem in Itaewon (einem internationalen Viertel in Seoul) mithalten kann.


"Hello Boiling Crab" erinnert an "Boiling Crab & Shrimp" in Itaewon und serviert, wie der Name schon sagt, hauptsächlich gedämpfte Krabben. Ein Bekannter (der wie ein Sportstudent aussah), der mich auf Jeju besuchte, wollte unbedingt hierher. Das Innere des Ladens ist schlicht und sauber, und das nötige Werkzeug zum Essen liegt schon bereit – das weckt sofort Vorfreude. Da es mein erster Besuch war, bestellte ich das Signature-Gericht "Boiling Crab & Shrimp Original" in der mildesten Stufe.
Da es sich um ein gedämpftes Gericht handelt, dauert die Zubereitung lange. Sogar so lange, dass manchmal Gäste abgewiesen werden, obwohl noch viele Tische frei sind, einfach weil die Zeit zum Kochen fehlt. Besonders in der aktuellen Corona-Zeit sollte man davon ausgehen, dass man hier nur mit Reservierung essen kann. Ohne Reservierung bekommt man vielleicht trotz leerer Plätze nichts. Man muss also unbedingt reservieren, damit die Krabben schon vorab gedämpft werden können.



Wahrscheinlich wegen der Vorabreservierung kam das Essen recht schnell. Die Portion war viel größer, als ich mir vorgestellt hatte. Ein Blick auf die Herkunft der Zutaten zeigt, dass – untypisch für Jeju – außer den Krabben alles importiert ist. Wenn man die Größe der Portion sieht, versteht man aber warum. Wer ein Seafood-Boil mit lokalen Zutaten aus Jeju möchte, sollte zu "Gla Gla Hawaii" gehen. Wem aber die Menge wichtig ist, der ist hier genau richtig.
Wie bei allen Krabbengerichten dauert das Pulen ewig, aber gegessen ist es in Sekunden. Deshalb muss der Geschmack beim ersten Bissen sofort überzeugen – und die Sauce hier tut genau das. Sie duftet intensiv nach Butter, und die leichte Schärfe sorgt dafür, dass man gar nicht mehr aufhören kann. Ich weiß nicht, ob es am Zucker oder an der Butter liegt, aber man bekommt extremen Durst auf Softdrinks.
Das Essen ist wirklich lecker, aber wegen eines Nachteils zögere ich etwas mit einer Empfehlung: das Krabbenpulen. Es ist so anstrengend, langweilig und nervig, dass man sich wünscht, jemand anderes würde es für einen übernehmen. Wenn man mit seinem Schwarm hierher kommt und für sie das Fleisch herauspult, ist eine Hochzeit zu 100 Prozent garantiert. So mühsam ist es, und man hat kaum das Gefühl, richtig zum Essen zu kommen.




Wenn man fertig ist und dem Besitzer Bescheid sagt, kocht er Pasta-Nudeln. Da die Sauce so gut ist, ist diese Pasta am Ende ein echtes Highlight. Ich dachte erst, ich wäre nicht richtig satt geworden, weil ich immer nur kleine Bissen gegessen hatte, aber als ich aufstand, war ich so voll, dass mir das Gehen schwerfiel.
Menge und Geschmack: bestanden. Aber die Art zu essen: durchgefallen. Wenn man nicht gerade so hungrig ist, dass man die Krabben mitsamt Schale zerkauen möchte, kann ich es empfehlen. Oder wenn man mit jemandem hingeht, der einem das Fleisch herauspult – dann ist es wirklich sehr zu empfehlen.
