Meeresfrüchte-Ramen bei Oppane auf Jeju
Nachdem ich gestern Abend ein paar Drinks zu viel hatte, brauchte ich heute Morgen unbedingt ein gutes Katerfrühstück. Mir schwebten Meeresfrüchte-Ramen oder Bomaljuk (Schnecken-Reisbrei) vor, aber da ich Lust auf etwas Würziges hatte, entschied ich mich für die Ramen. Ich erinnerte mich an einen Laden aus dem Fernsehen, wo der Oktopus frisch gefangen wird, und an einen anderen, dessen Service zwar furchtbar ist, man das aber beim ersten Bissen sofort vergisst. Da diese jedoch von Jungmun (einem Touristenort auf Jeju) aus etwas zu weit weg schienen, zögerte ich. Genau in dem Moment entdeckte ich, dass es direkt in Jungmun einen Laden für Meeresfrüchte-Ramen gibt. Also machte ich mich auf den Weg zu „Jungmun Seafood Ramen Oppane“, einem Restaurant mit unglaublich vielen Bewertungen auf Naver (dem koreanischen Google).
Als ich dort ankam, war die Straße bereits voller geparkter Autos. Da es Brunch-Zeit war, waren die umliegenden Lokale noch gähnend leer, nur dieses hier war bis auf den letzten Platz besetzt. Ich hatte echtes Glück: Kaum war ich drinnen, wurde ein Tisch frei und ich ergatterte einen Fensterplatz mit guter Aussicht. Auch wenn man eigentlich nur vorbeifahrende Autos sieht – das Wetter war so herrlich, dass selbst das Beobachten des Verkehrs an diesem Tag gute Laune machte.
Ich bestellte die Meeresfrüchte-Ramen, mein Begleiter die Fleisch-Ramen (Kkogi-Ramen), und dazu teilten wir uns den Abalone-Käse-Reis. Wir bezahlten im Voraus und setzten uns. Mit 15.000 KRW pro Gericht fühlte es sich etwas teuer an. Klar, wir kommen aus Seoul, wo man für einen gemischten Tonkatsu-Teller (Schweineschnitzel) locker 20.000 KRW hinblättert, aber wir sind hier auf Jeju. Da die meisten Zutaten direkt von der Insel stammen, hat mich der hohe Preis doch ein wenig stutzig gemacht.
Kaum war das Essen bestellt, startete in der Küche eine regelrechte Feuershow. Da wurde nicht nur aufgewärmt, sondern die Zutaten flogen im Wok nur so wild umher. Bei so einem Einsatz stieg meine Erwartung, dass es zumindest halbwegs gut schmecken müsste.



Das Essen wurde direkt auf dem Tablett serviert, mit dem Hinweis, dass Fotos mit dem Tablett appetitlicher aussehen. Außerdem hieß es, man bekäme ein Extra, wenn man eine Bewertung auf Naver hinterlässt. „Ah! Deshalb haben die so extrem viele Bewertungen!“, dachte ich mir im Stillen, machte meine Fotos und warf einen genaueren Blick auf das Essen. Die Meeresfrüchte-Ramen waren wirklich bis zum Rand mit Zutaten gefüllt. Ein ganzer Oktopus, scheinbar eine ganze Krabbe und zwei dicke Garnelen lagen darin. Auch die Fleisch-Ramen waren so üppig mit Fleisch belegt, dass ich mich fragte, wie man den Reis dazu überhaupt noch schaffen soll.

Angeblich werden die Meeresfrüchte-Ramen ohne das typische Instant-Ramen-Pulver und ohne künstliches Capsaicin zubereitet, aber sie schmecken trotzdem nach Ramen-Pulver. Es beginnt mit diesem typischen Pulver-Geschmack und endet mit einem erfrischenden Meeresfrüchte-Abgang. Wenn man so will, könnte man den Geschmack fast als ein wenig fad bezeichnen. Eigentlich ist es auch völlig egal, ob da nun Pulver drin ist oder nicht. Während ich noch misstrauisch dachte: „Da ist doch bestimmt Ramen-Pulver drin“, löffelte ich die Brühe unaufhörlich weiter. Das erfrischende Umami im Abgang ist toll, aber der anfängliche Geschmack ist etwas gewöhnungsbedürftig.
Nachdem ich die Brühe probiert hatte, waren die Meeresfrüchte an der Reihe. Ich fing mit den Miesmuscheln und der Krabbe an, aber im Nachhinein betrachtet war das die falsche Reihenfolge. Man sollte zuerst den Oktopus zerschneiden und ihn zusammen mit den Nudeln essen. Weil ich mir Nudeln und Oktopus für später aufgehoben hatte, schmeckten die Nudeln nicht mehr und der Oktopus hatte seine schöne, feste Konsistenz verloren. Falls ihr hierherkommt, empfehle ich euch dringend, zuerst die Nudeln und den Oktopus zu inhalieren und zwischendurch immer mal wieder eine Muschel oder etwas Krabbe zu essen. Wenn die Nudeln dann immer noch nicht schmecken, sind sie einfach nicht gut.

Während die Meeresfrüchte-Ramen eher erfrischend schmecken, sind die Fleisch-Ramen sehr deftig und fettig. Wer seinen Kater normalerweise mit Gamjatang (koreanischer Schweineknochen-Eintopf) oder Pho bekämpft, wird diesen Geschmack lieben. Wahrscheinlich weil die Zutaten so schonungslos hineingepackt wurden, ist die Brühe hier viel beeindruckender als bei den Meeresfrüchte-Ramen. Wenn es euch um den Geschmack der Brühe geht, sind die Fleisch-Ramen die deutlich bessere Wahl.

Das heimliche Highlight dieses Ladens ist der Abalone-Käse-Reis (Seeohren-Reis). Kinder werden ihn lieben. Schon auf den ersten Blick sieht man, dass hier nicht an Abalone gespart wurde. Es scheinen ein oder zwei ganze Exemplare darin zu sein. Wenn man einfach einen Löffel voll heraushebt, ist er gespickt mit Abalone-Stückchen. Das ist eine ganz andere Liga als der Abalone-Reisbrei in Seoul, wo man die Muschelstücke oft mit der Lupe suchen muss.
Trotzdem bleibt beim Essen ein gewisses Bedauern zurück, denn das Käse- und Butteraroma ist so dominant, dass man vom eigentlichen Abalone-Geschmack überhaupt nichts mitbekommt. Die Lösung des Problems war einfach: Ich habe den Käse zur Seite geschoben und nur den Reis gegessen – das war viel besser. Es wirkte ein bisschen so, als hätte man in dem Bemühen, etwas besonders Gutes zu kreieren, einfach wahllos Zutaten hineingeworfen, bis es am Ende nur noch nach Butterreis schmeckte.



Man hat das Gefühl, dass das Restaurant bei den Zutaten genauso wenig spart, wie es der Preis vermuten lässt. Vielleicht ist das auf Jeju einfach so üblich, aber für mich als „Landei aus Seoul“ wirkte es, als hätte man die Zutaten einfach nur reingeworfen. Wäre man in Seoul, Gyeongsang-do oder Jeolla-do, hätte man diese Zutaten wahrscheinlich mit einer kräftigen Sauce zu einem sehr intensiven Gericht verarbeitet. Dass das hier nicht der Fall war, fand ich ein wenig schade. Andererseits ist es dadurch sehr magenschonend. Man kann eine ganze Schüssel essen, ohne dass es schwer im Magen liegt. Beim Abalone-Käse-Reis war das Käsearoma zwar zu stark, aber um einen echten Abalone-Geschmack zu erzeugen, hätte man wohl noch viel mehr Abalone pürieren und untermischen müssen. Vermutlich hat man sich deshalb als Alternative darauf beschränkt, zumindest die Textur der Abalone zu bieten.
Ich bin mir etwas unschlüssig, ob ich diesen Ort als echtes Gourmet-Restaurant bezeichnen soll. Die Zutaten sind fantastisch und reichlich vorhanden, aber wenn die Zubereitung noch ein wenig raffinierter wäre, könnte es ein wirklich großartiger Laden werden. Es fehlt einfach dieser elektrisierende Geschmack, der einen vom Hocker haut.
Aber gut, sie werden sich dabei sicher mehr Gedanken gemacht haben als ich, der ohnehin nicht kochen kann.