Mexikanisch in Itaewon: Restaurant Hacienda in Seoul
Nach der Itaewon-Tragödie wurde ein um 20 % vergünstigtes Itaewon Seoul Pay eingeführt, um das Viertel wiederzubeleben. Dank dessen bin ich nach langer Zeit mal wieder nach Itaewon (ein Ausgehviertel in Seoul) gekommen, um ein bisschen einzukaufen und zum Abendessen im Hacienda vorbeizuschauen. Das Hacienda serviert mexikanisches Essen, wird aber in einer kuriosen Kombination betrieben: In der Küche schwitzen Koreaner beim Kochen, während der Service von Ausländern übernommen wird, die schwarz und hispanisch aussehen. Da aber auch spanischsprachige hispanische Familien unter den Gästen waren und es sich schmecken ließen, scheint das Essen recht authentisch zu sein und keine Fusion-Küche mit Gochujang (koreanischer Chilipaste).





Zu zweit haben wir Guacamole, mexikanische Wings und Fajitas bestellt. Ich dachte erst, es wäre etwas viel, aber wir haben kräftig reingehauen und am Ende waren die Teller leer. Ich esse nicht oft mexikanisch, aber hier waren die Gewürze etwas intensiver als in anderen Restaurants, wodurch der Geschmack besser zur Geltung kam. Es fühlte sich wirklich so an, als würde man im Ausland essen. Wegen der starken Gewürze scheiden sich hier vielleicht die Geister, aber für meinen durch und durch koreanischen Gaumen war es absolut köstlich.
Die Guacamole schmeckte durch den Koriander sehr exotisch, und die scharfen Wings gaben mir das Gefühl, in Südamerika zu sein. Bei den Fajitas war ich so sehr damit beschäftigt, mich satt zu essen, dass ich sie fast unbewusst verschlungen habe. Ich war sehr zufrieden, mal ein richtiges Abendessen zu haben, das nicht hauptsächlich aus Reis oder Brot bestand.






Noch immer wird mir schwindelig und ich bin fassungslos, wenn ich an jenen Tag denke. Es ist mein altes Wohnviertel, und ich hatte an der U-Bahn-Station sogar kurz überlegt, ob ich mir das Halloween-Treiben ansehen sollte. An jenem Tag saß ich zu Hause vor den Nachrichten und war völlig außer mir, während ich alle Bekannten anrief, die dort gewesen sein könnten, um zu fragen, ob sie in Sicherheit sind. Aus Angst vor einem beklemmenden Gefühl habe ich Itaewon gemieden, und nun sehe ich, wie die Geschäfte verschwinden. Obwohl ich nur kurz herumgelaufen bin, habe ich ziemlich viele geschlossene Läden gesehen. Selbst an der Hauptstraße hing an jedem zweiten Gebäude im Erdgeschoss ein "Zu vermieten"-Schild. Jeder konnte sehen, wie gravierend die Nachwirkungen der Tragödie sind. Wie wäre es, wenn wir uns jetzt ganz bewusst wieder auf den Weg nach Itaewon machen? In diesem Sinne kann ich das Hacienda nur empfehlen.