Old Town San Diego: Ein historischer Abendspaziergang
Da ich alleine in San Diego war und überlegte, wo ich am Abend noch spazieren gehen könnte, machte ich mich auf den Weg zur Old Town San Diego. Vom Namen her dachte ich an eine staubige Cowboy-Stadt aus einem Westernfilm oder an eine karge Wüstenlandschaft. Ich suchte nach einem Ort, an dem man nach dem Abendessen gut laufen konnte, und wollte mich einfach ganz entspannt ein wenig umsehen.

Als ich jedoch das Eingangsschild passierte und hineinging, wirkte es weniger wie die Zeit der Wildwest-Pioniere, sondern eher so, als hätte man ein komplettes mexikanisches Dorf hierher versetzt. Da San Diego direkt an die mexikanische Grenze stößt, hat es diesen Einfluss wohl stark aufgenommen. Wenn man es mit Korea vergleicht, ist es wie ein traditionelles Freilichtmuseum (Korean Folk Village), nur dass sich eine viel exotischere Kulisse entfaltet.

Ein Blick auf den Lageplan zeigte, dass das Areal mit Museen, Restaurants und Geschäften ziemlich weitläufig war. Da es schon dunkel war, konnte ich nicht jeden Winkel erkunden, aber die Gesamtgröße war einfach perfekt für einen Spaziergang.

Unterwegs fiel mir ein ziemlich beeindruckendes zweistöckiges Holzgebäude auf, an dem "Cosmopolitan Hotel" stand. Beim Anblick des beleuchteten Balkons und der rustikalen Holztreppe konnte ich mir richtig vorstellen, wie hier früher Pferdekutschen hielten und Reisende übernachteten. Es ist nicht übermäßig prunkvoll, aber der nostalgische Charme jener Zeit ist wunderbar erhalten geblieben.

Beim Weitergehen entdeckte ich etwas ziemlich Witziges. Mitten im historischen Park stand ein Aufsteller, der für eine Geisterhaus-Tour warb. Eine Geisterjagd-Tour also. Ich fragte mich, ob es dort echte Geister geben sollte oder ob das nur ein Konzept war, aber ich hatte nicht den Mut, alleine hineinzugehen, und schaute es mir nur von außen an. In der Nähe des Schildes stand auch so ein wunscherfüllender Zoltar-Automat, den ich aus Filmen wie "Zurück in die Zukunft" oder "Big" kannte – das gab dem Ganzen eine leicht bizarre Note.

Ein Stück weiter entdeckte ich einen Lederwarenladen, der eine richtig nostalgische Atmosphäre ausstrahlte. Dort schien man Dinge wie Ledergürtel und Sättel zu verkaufen. Mit seiner alten weißen Fassade und der grünen Tür sah er wirklich aus wie das Set eines alten Westernfilms. Ehrlich gesagt gibt es in Old Town keine extrem spektakulären oder pompösen Sehenswürdigkeiten. Der eigentliche Reiz dieses Ortes liegt wohl einfach darin, beim Schlendern diese kleinen, charmanten Läden zu entdecken.

Als ich tiefer in den Marktbereich vordrang, gab es viele Stände mit Souvenirs wie farbenfroh gemusterter traditioneller mexikanischer Kleidung und einzigartigen Totenkopf-Dekorationen. Es war voller Dinge, bei denen man dachte: Wenn man jetzt nach Mexiko reisen und über einen Markt schlendern würde, gäbe es genau das zu kaufen. Ich stöberte in aller Ruhe und kaufte mir schließlich ein Totenkopf-Souvenir, das mir besonders gut gefiel.

An einer Wand befand sich ein Zeitstrahl, der die Geschichte von Old Town San Diego erklärte. Wie ich erfuhr, war dies der Ort, an dem sich 1769 die ersten Europäer in Kalifornien niederließen. Deshalb wird es auch als die Geburtsstätte Kaliforniens bezeichnet. Später, als die Neustadt entwickelt wurde, verlagerte sich das Zentrum dorthin, und dieser Ort blieb als historischer Park erhalten. Zuerst dachte ich, es sei nur ein Themenpark mit alten Gebäuden, aber es ist tatsächlich ein Ort von großer historischer Bedeutung.

In der Nähe des Platzes parkte auch ein Trolley-Bus, der Touristen herumfährt. Er stand dort hell erleuchtet in der Nacht, und es sah so aus, als könnte man damit ganz bequem eine Runde drehen. Da ich tagsüber bei meinem Programm, verschiedene Geschäfte wie Best Buy und Ross zu erkunden, schon sehr viel gelaufen war, war ich schon ein wenig neidisch auf diesen Bus.
Um ehrlich zu sein: Wer einen spektakulären Freizeitpark oder atemberaubende Attraktionen erwartet, wird hier wahrscheinlich keinen Spaß haben und eher enttäuscht sein. Es ist kein Ort, an dem eine Sehenswürdigkeit die nächste jagt. Ich empfehle ihn eher Leuten, die gerne entspannt spazieren gehen und sich mit leichtem Herzen umsehen möchten.
Es fühlte sich nicht unglaublich besonders an, aber es war ein ziemlich schöner Ort, um bei einem Spaziergang einen kleinen Eindruck von San Diegos altem, mexikanisch geprägtem Flair zu bekommen. Sollte ich jemals wieder nach San Diego kommen, würde ich es nicht zwingend in meinen Reiseplan quetschen, aber wenn ich ohnehin in der Nähe bin, ist es definitiv einen erneuten Spaziergang wert.







