Sacheonseong in Jeju: Perfektes Jajangmyeon
Nach einem Brunch mit Tteokguk (Reiskuchensuppe), einem Ausflug zum Hueree-Naturpark und körperlicher Anstrengung im Dynamic Maze waren wir extrem hungrig. Wir wollten nicht schon wieder ins Doljip Sikdang von gestern. Da ich gehört hatte, dass Babys bei Jajangmyeon (Nudeln in schwarzer Bohnensauce) völlig aus dem Häuschen geraten, suchte ich nach einem chinesischen Restaurant in der Nähe. Wir kamen ohne große Erwartungen im Sacheonseong an, eigentlich nur für einen schnellen Teller Nudeln. Doch als mein Freund das Innere sah, meinte er, das hier wecke Erwartungen. Ein Beamter, der die Hygiene von Restaurants kontrolliert, hat eben ein anderes Gespür.

Ein Blick auf die Speisekarte zeigte, dass die Preise eher im oberen Bereich liegen. Besonders störte mich, dass man für Gan-jajang (Nudeln mit separat servierter Sauce) mindestens zwei Portionen bestellen muss. Da wir aber so hungrig waren, bestellten wir zwei Portionen Samseon Gan-jajang (mit Meeresfrüchten), gebratenen Reis mit Garnelen und eine kleine Portion Tangsuyuk (süß-saures Schweinefleisch) im Klebreismantel. Beim Bestellen machte ich mir noch Sorgen wegen der Menge, aber ich war seltsamerweise voller nutzlosem Selbstvertrauen, alles aufessen zu können. Hätte ich dieses Selbstvertrauen doch nur im Alltag.

Ein Mann, der wie der Besitzer wirkte, wuselte alleine im Service herum. Nach ein paar Scherzen kam zuerst der gebratene Reis. Nichts Besonderes, außer dass der Reis gelblich war – vielleicht Naturreis oder besonders gewürzt? Aber ich war so hungrig, dass die Hälfte sofort verschwand. Wenn man eine Besonderheit suchen will: Im Gegensatz zum fettigen gebratenen Reis in Seoul ist dieser hier überhaupt nicht fettig, sondern schmeckt viel intensiver und herzhafter.
Dann das Tangsuyuk. Ich war etwas überrascht, in einer ländlichen Gegend wie Pyoseon auf Jeju Klebreis-Tangsuyuk zu finden. Es ist nicht so extrem zäh, dass man große Augen macht. Die Panade ist leicht klebrig-knusprig, aber das Fleisch ist wirklich erstklassig. Es gibt absolut keinen unangenehmen Geruch, was dem Tangsuyuk einen sehr sauberen Geschmack verleiht. Die Augen von jemandem, der täglich Restaurants kontrolliert, täuschen eben nicht.




Das am meisten erwartete Gan-jajang war das absolute Highlight. Ich dachte erst, die Portion sei für 20.000 KRW etwas klein, bis ich merkte, dass das nur der Teller für eine Person war. Die Nudeln sind außergewöhnlich bissfest, und die Jajang-Sauce ist so voll mit Meeresfrüchten, als wolle der Besitzer uns belehren: 'Dafür steht das Wort Samseon (drei Meeresfrüchte)'. Beim Umrühren und Essen schmeckt man nicht nur die Jajang-Sauce, sondern das Umami von Tintenfisch und Meeresfrüchten erfüllt den ganzen Mund. Ein wahrer Samseon-Jajang-Geschmack!
Es ist das erste Mal, dass ich von einem Gericht, das man auch in Seoul überall bekommt – und nicht von einer Jeju-Spezialität –, so begeistert bin. Bei den meisten Restaurants auf Jeju denkt man nach dem Essen: 'Nicht schlecht, aber wahrscheinlich sind sie in Seoul gescheitert und deshalb hierhergekommen.' Meistens fehlt für den Preis immer eine Kleinigkeit. Aber das Jajangmyeon im Sacheonseong würde auch in Seoul problemlos einschlagen.
Es ist wirklich extrem schade, dass ich mit dem Auto zu einem so guten chinesischen Restaurant gefahren bin und nicht mal ein Glas Kaoliang-Schnaps (chinesischer Hirsewein) trinken konnte.


Man reist zwar nicht nach Jeju, um chinesisch zu essen, aber wenn man wirklich Lust darauf hat, ist das Sacheonseong die absolute Nummer eins.