Yurimmyeon in Seoul: Michelin-prämierte Buchweizennudeln
Was soll ich jemandem aus Cheongju (einer Stadt südlich von Seoul) zu essen geben, um ihm den wahren Geschmack der Hauptstadt zu zeigen?
Obwohl ich in Seoul lebe, kenne ich die Stadt nicht besonders gut und überlege immer hin und her, wohin ich mit Besuchern gehen soll. Heute war es wieder so weit. Dazu kam, dass ich wegen eines ordentlichen Katers vom gestrigen Abend absolut nichts Scharfes oder Trockenes runterbekommen hätte. Da dachte ich an Udon und Momil (Buchweizennudeln) – die rutschen gut und sind perfekt gegen den Kater. Also beschlossen wir, zu Yurimmyeon zu gehen, einem sehr bekannten Momil-Restaurant in der Nähe der Seoul Station.


Yurimmyeon ist nicht einfach nur lecker, sondern wurde von der Stadt als "Seoul Future Heritage" (historisches Erbe) ausgezeichnet. Außerdem haben sie kürzlich einen Michelin Bib Gourmand erhalten. Man kann also sagen: Ein Restaurant, dem man blind vertrauen kann. Ich war zwar noch nie dort, aber diese beiden Titel sprechen für sich.

Um von allem etwas zu probieren, bestellten wir Memil-guksu (kalte Buchweizennudeln), Bibim-memil (scharf gemischte Nudeln) und für meinen Kater Naembi-guksu (Udon-Nudelsuppe im Topf). Wegen Corona waren einige Plätze frei. Wenn das Reisen wieder normal möglich ist, wird man hier sicher nicht nur anstehen, sondern locker ein bis zwei Stunden warten müssen.






Zuerst zur Naembi-guksu: Die Brühe war ein absoluter Lebensretter gegen den Kater und die Nudeln wunderbar bissfest. Es schmeckt ein bisschen wie die Udon-Suppen, die man in der U-Bahn-Station oder im Pojangmacha (koreanisches Straßenzelt) bekommt, hat aber eine viel tiefere Geschmacksnote. Vor allem die Nudeln heben sich deutlich von Instantware ab. Ich habe die Suppe inhaliert, bis der Boden des Topfes zu sehen war, und bekam dann direkt Lust auf die Buchweizennudeln.
Ich habe nur eine Portion (auf einem traditionellen Tablett) gekauft und probiert, aber die Sojasauce zum Dippen ist wirklich einzigartig. Sie schmeckt süßlich, ist aber nicht klebrig. Die Nudeln sind nicht matschig, sondern haben einen tollen Biss. Wenn man sie in die süße Sojasauce taucht, sind sie im Handumdrehen verputzt. Obwohl ich von der Suppe schon extrem satt war, lief mir das Wasser im Mund zusammen und ich wollte mehr. Selbst wenn man sich eigentlich für ein anderes Gericht entscheidet, sollte man unbedingt wenigstens eine Portion der Memil-guksu probieren. Es gibt einen guten Grund, warum sich dieser Laden seit 50 Jahren mitten in Seoul hält.
Wenn ich jetzt mit dem Fahrrad von Nord nach Süd fahre, werde ich entweder auf halber Strecke bei Yurimmyeon anhalten, um Nudeln zu essen, oder auf dem Rückweg definitiv dort vorbeischauen. Es ist einfach ein unglaublich leckeres Restaurant.