Bukakjeong in Seoul: Zartes Rindfleisch & kalte Nudeln
Meine Mutter war wegen einer Reha-Behandlung lange im Krankenhaus und wurde endlich entlassen. Zur Feier des Tages wollte ich sie zum Essen einladen. Nach kurzem Überlegen haben wir uns für das Bukakjeong in Pyeongchang-dong (einem ruhigen Viertel in Seoul) entschieden.
Pyeongchang-dong ist eine wohlhabende Gegend und liegt auf dem Weg zum Gyeongbokgung-Palast und zum Blauen Haus, weshalb es hier einige gehobene Restaurants gibt. Auch das Bukakjeong mit seinem runden Gebäude, den Kiefern und der kleinen Brücke am Eingang wirkt ziemlich imposant und wird seinem guten Ruf gerecht.

Im Inneren ist es nicht so dicht gedrängt und auffällig eingerichtet wie in Gangnam (dem modernen Zentrum). Stattdessen ist es weitläufiger und eher ruhig und klassisch gehalten – genau nach dem Geschmack älterer Herrschaften. Das Restaurant gibt es schon seit 1982, und diese lange Geschichte spürt man in der Atmosphäre.

Als wir Platz nahmen und aus dem Fenster schauten, sahen wir einen kleinen, hübsch angelegten Garten. Ein kleiner Springbrunnen und traditionelle koreanische Tontöpfe (Jangdokdae) bilden ein harmonisches Bild, das man beim Essen wunderbar betrachten kann. Ein friedlicher Anblick, den besonders die ältere Generation liebt.

Da es Mittag war, bestellten wir das Mittagsmenü. In dieser Gegend gibt es kaum Firmen, und die meisten Gäste im Restaurant sind über 60 Jahre alt, sodass man an einem Wochentag mittags leicht einen Platz findet. Wer mit seinen Eltern oder Großeltern in Ruhe essen möchte, dem kann ich die Mittagszeit unter der Woche nur empfehlen.
Als Vorspeise wurde eine Art gelbe Kürbissuppe (Hobakjuk) serviert. Sie war perfekt, um den leeren Magen sanft zu beruhigen. Wenn ein Essen mit so einer farbenfrohen Vorspeise beginnt, fühlt man sich gleich richtig verwöhnt. Vielleicht hat mein Gehirn aber auch einfach nur so positiv reagiert, weil das Essen teuer war.

Kurz darauf wurde der Tisch gedeckt und das Fleisch gebracht. Verschiedene Beilagen (Banchan) wie Salat, kalte Gerichte und gewürztes Gemüse wurden ordentlich angerichtet. Über der Holzkohle lag eine schwere Abdeckung, wie man sie aus alten, gehobenen Galbi-Restaurants (für gegrillte Rippchen) kennt. Die Beilagen waren nicht zu stark gewürzt und sehr fein, sodass ich schon vor dem Grillen des Fleisches ständig zugreifen musste. Jede einzelne Beilage war wunderschön dekoriert. Ist das die Macht des Geldes?

Hier wird das Fleisch komplett vom Personal gegrillt. Der Duft der dicken, gut eingeschnittenen und marinierten Rinderrippchen, die über der Holzkohle brutzeln, steigt einem direkt in die Nase und raubt einem fast den Verstand. Da ein Profi dafür sorgt, dass nichts anbrennt, können wir uns einfach entspannt aufs Essen konzentrieren.

Als ich ein Stück des fertig gegrillten Fleisches probierte, war es unglaublich zart. Die Marinade ist nicht zu aufdringlich, sondern dezent eingezogen – geschmacklich eine ganz andere Liga als die typischen, auf Masse ausgelegten Grillrestaurants. Auch meine Mutter war sehr zufrieden und meinte, das Fleisch sei so zart, dass es sich leicht kauen lasse. Das Mittagsmenü war zwar ziemlich teuer, aber bei diesem Geschmack und Service ist es sein Geld absolut wert.
Nach dem Fleisch bestellten wir als Abschluss Naengmyeon (kalte Nudelsuppe). Es war im Pyeongyang-Stil, mit Nudeln, die schmeckten, als wären sie handgemacht. Die hübsch aufgerollten, gelben Eierstreifen als Garnitur waren wirklich beeindruckend. In diesem Restaurant wird das Essen einfach wunderschön präsentiert. So etwas habe ich bisher nur in Apgujeong (einem schicken Viertel) und an wenigen anderen Orten gesehen.

Die Brühe war etwas kräftiger gewürzt als bei den ganz milden, traditionellen Pyeongyang-Naengmyeon. Deshalb denke ich, dass auch Leute, die dieses Gericht zum ersten Mal probieren, es ohne Bedenken essen können. Die erfrischende Brühe wäscht das Fett des Fleisches wunderbar weg.
Das Houn in Icheon, das wir früher besucht haben, war auch sehr gepflegt und gut, aber das Bukakjeong ist noch einmal ein ganz anderes Level. Es ist drei oder vier Stufen darüber, und ich glaube, es gibt keinen besseren Ort, um mit älteren Verwandten essen zu gehen. Die Atmosphäre ist ruhig, das Essen ist leicht bekömmlich, und ich werde bei der nächsten wichtigen Gelegenheit definitiv wiederkommen.
Ich bin froh, dass meine Mutter nach dem vielen Krankenhausessen endlich wieder hochwertiges Rindfleisch genießen konnte und neue Kraft geschöpft hat. Wir haben teures Fleisch gegessen, also lass uns ab jetzt nicht mehr krank werden!