Dakgalbi in Chuncheon: Ein echtes TV-Highlight
In letzter Zeit gab es eine Sendung, die ich nicht nur gerne geschaut habe, sondern für die ich sogar pünktlich zur Erstausstrahlung vor dem Fernseher saß – eine absolute Seltenheit in meinem Leben. Die Show hieß „Alssulsinjab“ (eine koreanische Talkrunde). Es wäre toll gewesen, wenn sie zwei- oder dreimal pro Woche gelaufen wäre, aber es gab nur eine Folge wöchentlich, und nach ein paar Reisen war sie auch schon wieder vorbei. Es ist immer dasselbe: Die Sendungen, die man am meisten liebt, enden viel zu schnell.
Jedenfalls lag der Charme dieser Sendung in den endlosen Plaudereien von Männern in ihren Fünfzigern. Einer von ihnen war der Restaurantkritiker Hwang Gyo-ik (Herr? Meister? Ich war mir unsicher wegen der Anrede, aber da er eine Person des öffentlichen Lebens ist, lasse ich sie einfach weg), der extrem spannende Geschichten über Essen erzählte. Er lobte nicht nur einzelne Restaurants, sondern sprach auf eine sehr verständliche und abwechslungsreiche Art über die weitreichende Esskultur ganzer Regionen. Das Problem dabei: Wenn man zuschaut, denkt man sich unweigerlich: „Da muss ich unbedingt mal hin.“
Das Restaurant, das ich heute besucht habe, ist genau so ein Ort, den ich mir beim Fernsehen notiert hatte. Es wurde bereits in fast jeder koreanischen Food-Sendung mindestens einmal vorgestellt. Dazu kommt der ungewöhnliche Name: „Wonjo Sutbul Dakbulgogi-jib“ (Original Holzkohle-Hähnchen-Bulgogi-Restaurant). Es ist kein Eigenname, sondern beschreibt einfach nur das Essen. Der Name strahlt nicht nur die Aura eines berühmten Lokals aus, sondern wirkt fast wie eine Herausforderung: „Komm doch her, wenn du dich traust.“
Außerdem heißt es hier nicht Dakgalbi (scharf gebratenes Hähnchen), sondern Dakbulgogi. Hwang Gyo-ik hat in der Sendung erklärt, dass sich der Begriff Dakgalbi durchgesetzt hat und Dakbulgogi eigentlich in Vergessenheit geraten ist. Trotzdem hält dieses Restaurant an Dakbulgogi fest. Man spürt förmlich die Sturheit des Besitzers und fragt sich unweigerlich, wie gut es wohl schmecken muss, wenn sie sich so sehr von anderen abheben.




Dann kam das Fleisch und es war Zeit, reinzuhauen. Für den Fall, dass es nicht schmeckt, hatten wir erst mal nur eine Portion pro Person bestellt – so hätten wir woanders noch leckere Makguksu (kalte Buchweizennudeln) essen können. Da es ein Holzkohlegrill ist, muss man den Rost ständig wechseln und das Fleisch ununterbrochen wenden, damit es nicht anhaftet oder verbrennt, aber die Mühe lohnt sich. Während man beim Grillen noch plaudert, tritt plötzliche Stille ein, sobald das Fleisch fertig ist und alle anfangen zu essen. Obwohl man an diesem heißen Tag mit Hitzewarnung vor dem Grill fast kollabiert, ist es so lecker, dass man mit der Disziplin eines Zen-Mönchs immer weiter nachbestellt. Da es nicht das übliche, in der Eisenpfanne gebratene Dakgalbi ist, mag es anfangs ungewohnt sein, aber nach dem ersten Bissen verputzt man locker zwei Portionen.
Meistens wird extrem stark gewürzt, um den strengen Hähnchengeruch zu überdecken, aber hier haben sie irgendeine Magie gewirkt: Die Marinade ist nicht zu stark und sehr angenehm zu essen. Statt Schärfe schmeckt man eine leichte Süße, was vermutlich am Zucker liegt. Für meinen an süße Sachen gewöhnten „Baby-Gaumen“ war es jedenfalls perfekt. Wenn ich mir die anderen Tische so ansehe, an denen Leute von Teenagern bis hin zu über 70-Jährigen sitzen, scheint es aber nicht nur wegen der Süße so beliebt zu sein. Wie auch immer, das Fleisch ist einfach unglaublich lecker.






Wenn man Restaurants aus dem Fernsehen besucht, ist es oft ein 50/50-Glücksspiel, aber dieses hier war ein absoluter Volltreffer.